Warum ein Leben ohne Auto besser ist

Jon Toney Ohne Auto Leben

Fast 44 Millionen Autos waren Anfang des Jahres in Deutschland angemeldet. Damit hat jeder zweite Deutsche ein Auto. Ziehe ich Kinder und Alte davon ab, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass du ebenfalls Fahrerin bist. Vor drei Monaten habe ich meinen alten Hyundai verkauft und steige seitdem aufs Rad. Dass ein Leben ohne Auto besser ist, zeigt sich mir jeden Tag aufs Neue.

Ich habe keinen Stress

Ich trage mein Fahrrad aus dem Keller, setze den Helm auf und radel los. Solange ich auf dem Radweg unterwegs bin, kenne ich kaum rote Ampeln. Vorbei geht es an langen Autoschlangen, die sich zur Hauptverkehrszeit jeden Tag bilden. Kein Problem, ich bin schneller.

In der Innenstadt oder beim Supermarkt angekommen, parke ich wenige Meter vom Ziel entfernt, schließe das Rad ab und schon geht es los. Beim Shoppingbummel finde ich innerhalb von Sekunden einen Laternenpfahl, an dem ich mein Velo sichere. Keine lange Suche nach einem freien Parkplatz, keine Parkgebühren.

Ich bin lässig unterwegs

Einen großen Kofferraum vermisse ich nicht. Ein großer Metallkorb auf dem Gepäckträger fasst Getränke und schwere Lebensmittel, vorne habe ich einen schicken, abnehmbaren Einkaufskorb. Dank der beiden Körbe kann ich sogar einen Wochenendeinkauf für zwei Personen transportieren.

Mein Rad war Liebe auf den ersten Blick: Ein schwarz-weißes Trekkingrad von KTM ist mir beim Händler sofort in die Augen gesprungen. Es gab keinen Zweifel, das musste mit! Meine Accessoires sind natürlich aufs Rad abgestimmt. Mein vorderer Korb ist grau mit weiß-schwarzen Kringeln. Meine gepunktete Klingel rundet den Look ab. Die Klingel ist mein doppelter Auspuff!Fahrradklingel-NanamiaKlein_opt

Sehr schön ist das Radfahren, wenn im Sommer die Sonne scheint. Der warme Wind weht mir ins Gesicht, kühlt mich und gibt mir ein Gefühl von Freiheit, wenn ich mich in die Kurve lege.

In Ruhe small-talken

Dass ein Leben ohne Auto besser ist, zeigt sich mir außerdem, wenn mir auf dem Weg zum Supermarkt meine liebe Nachbarin bei ihrem Gassigang mit Hund entgegenkommt. Schnell die Straße überquert, rauf auf den Bürgersteig und für ein Schwätzchen anhalten.

Mit meinem Auto war das nicht möglich. Maximal in der ruhigen Nebenstraße konnte ich kurz den Blinker setzen, Fenster runterkurbeln und kurz plaudern. Der Blick musste immer den Rückspiegel im Auge behalten, schließlich könnte ich einen Stau auslösen. Will ich nicht.

Keine Sorgen wegen der Finanzen

Warum habe ich mein Auto verkauft, fragst du dich sicherlich. Bei mir hat die finanzielle Situation den Ausschlag gegeben. Mein kleiner Hyundai Atos war 13 Jahre alt, als die Bremsen plötzlich komische Geräusche machten. Als es mir aufgrund der Lautstärke schon fast peinlich war, durch die Stadt zu fahren, war ein Besuch in der Werkstatt unausweichlich.

Resultat: Die Bremsen sind komplett im Eimer und müssen ausgetauscht werden. Kosten: 500 Euro. Für ein Auto, das ich zwei Jahre vorher für 900 Euro gekauft habe, eine stolze Summe. Da sich zwei Fenster und der Kofferraum nicht mehr öffnen ließen, kam ein Verkauf nicht mehr in Frage. Außerdem war der nächste TÜV nur elf Monate später – bei einem alten Auto kommen auch da meistens einige Kosten zusammen.

Günstig in ein neues Leben radeln

Weil ich mir schon einige Monate ständig Sorgen über eventuell große Reparaturen, Steuern und Versicherung gemacht und mich gefragt habe, ob sich der Stress noch lohnt, stand schnell die Entscheidung fest: Für mich ist ein Leben ohne Auto besser! Die 80 Euro, die ich vom Schrotthändler vor meine Karre bekommen habe, habe ich ins Rad investiert.

750 Euro hat mein schönes Fahrrad gekostet, inklusive zweier Körbe, einem stabilen Schloss und Helm. Weitere Kosten: Keine. Keine Steuern, keine Versicherung. Mein Händler bietet eine Inspektion an, die ungefähr 20 Euro kostet. Das war`s dann schon.

Soll ich noch was zur Gesundheit sagen? Nö.

Womit bewegst du dich durchs Leben? Strampelst du oder drückst du aufs Gaspedal?

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Titelbild: Unsplash @ Jon Torney

 

 

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13 Kommentare

  1. Hallo Linda,
    Respekt, so viel Geld hab ich noch nicht in ein neues Fahrrad investiert. Ich fahre noch mein Jugendfahrrad von vor 15 Jahren.
    Mein Auto habe ich vor 5 Jahren freiwillig abgegeben, nach einem 6-monatigen Werkstattmarathon und Motorversagen auf der Autobahn.
    Wenn man ein Auto hat, ist die Versuchung es zu nutzen ziemlich hoch, ich denke ich hätte niemals so viele Fahrradkilomenter mit Auto als BackUp geschrubbt. Denn ohne dieses hat meine keine Ausreden das Rad stehen zu lassen. Egal bei welchem Wetter.
    Jetzt in Wolfsburg hatte ich die Wahl: 76 EUR monatlich für den Bus oder für 0 EUR jeden Tag 18 km zur Arbeit und zurück. Ich wählte letzteres^^ bin eben viel zu geizig und ne halbe Stunde ist man schnell gefahren, auch bei Sturm und Regen.

    Jetzt bin ich am überlegen, mir ein leichteres Fahrrad zu kaufen, in was für eine Art von Fahrrad hast du investiert?

    LG
    Lydia

    1. Hallo Lydia,
      noch jemand ohne Auto – cool! 🙂

      Mein Rad siehst du teilweise sogar im Beitrag 😉 Zumindest den Lenker mit Klingel und Korb.
      Das ist ein Trekkingrad von KTM.
      Oder wolltest du die genaue Bezeichnung (Modell) wissen?

      Lieben Gruß
      Linda

      1. Hallo Linda,

        “Trekkingrad” reicht schon, denn ich kann mich nicht entscheiden was ich möchte. Nen Cityrad ist mir zu unsportlich, nen Rennrad macht meinen Rücken kaputt.
        Ich habe seit meiner täglichen Radtour Schmerzen im Lendenwirbelbereich und suche deshalb nach einer Alternative zu meinem ATM (Mountainbike ähnlich).

        LG
        Lydia

        1. Ich bin letztes Jahr in ein gutes Fahrradgeschäft gegangen, hab mich beraten lassen und alle möglichen Modelle Probe gefahren 🙂
          Das Rad, was ich eigentlich haben wollte, weil ich es optisch so toll fand, ist dabei sofort ausgeschieden.
          Kann ich dir also echt empfehlen!

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