Haushaltsbuch führen – langweilig, blöd und spießig?

 

Haushaltsbuch führen

Manchmal bleibt mir nichts erspart.

Ich habe immer gedacht, dass es fürchterlich spießig ist, ein Haushaltsbuch zu führen.

Tja, Pech gehabt, seit 1,5 Monaten bin ich nun dabei, meine Ausgaben aufzuschreiben. Ich muss sagen, das macht sogar Spaß. Wobei: Spaß ist übertrieben, aber es ist nicht so schlimm, wie ich befürchtet hatte.

Wenn du besser sparen oder dir ein Vermögen schaffen willst, bietet es sich an, ein Haushaltsbuch führen. Spießig ist das nämlich überhaupt nicht! Glaub mir: Echt reiche Leute wissen genau, wie viel Geld im Monat aufs Konto fließt und wofür sie es ausgeben. 

Vorteile eines Haushaltsbuches

Wenn du noch zögerst, lass mich erklären, warum es sich tatsächlich lohnt, Eingaben und Ausgaben aufzuschreiben.

1# Bisher hast du dich gewundert, warum dein Einkommen vorne und hinten nicht ausreicht. Mit deinen Notizen bekommst du endlich einen Überblick.

Wie das funktioniert? Im ersten Schritt notierst du dir, wie viel Geld dir monatlich zur Verfügung steht. Als Angestellte ist das relativ leicht, weil der Betrag immer gleich ist. Als Selbstständige brauchst du eine andere Taktik. Ich schreibe am Ende des Monats meine Rechnungen und weiß dann, wie viel Geld mir zur Verfügung steht.

Schlecht sieht es allerdings aus, wenn die Zahlungsmoral deiner Kunden zu wünschen übrig lässt und du kaum Rücklagen hast. Besonders in den ersten Monaten bietet es sich dann vor allem an, sparsam zu sein. Du kannst dir ein kleines finanzielles Polster schaffen und in den folgenden Monaten mit deinem Haushaltsbuch richtig durchstarten.

2# Du merkst nicht nur, wie viel Geld du für Kleinkram nebenbei ausgibst, sondern entdeckst eventuell sogar alte Posten, die schon längst überflüssig geworden sind.

Vielleicht gibt es Versicherungen, die du vor zig Jahren abgeschlossen, aber noch nie in Anspruch genommen hast. Es lohnt sich, zu überprüfen, ob gewisse Versicherungen in deinem Fall überhaupt sinnvoll sind.

Gibt es eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Sportverein? Wann hast du die Räume zum letzten Mal von innen gesehen? Ich bin ein typisches Fitnessstudio-Opfer. Lange Zeit habe ich im aktuellen Verlangen nach Bewegung immer wieder Verträge abgeschlossen. Am besten über ein Jahr, damit ich viel Geld spare. Der Schuss ging natürlich regelmäßig nach hinten los. Zwei bis drei Monate habe ich viel trainiert, dann hat die Euphorie nachgelassen – und das Studio hat fleißig weiter abgebucht.

Geht`s dir auch so? Dann kündige! Und sei in Zukunft so klug, nicht erneut einen Vertrag abzuschließen. Viele Studios bieten außerdem 10er-Karten an. Zum Testen reicht das allemal aus.

Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Bei der Durchsicht deiner Unterlagen merkst du vielleicht, dass ein Unternehmen noch immer Beiträge abbucht, obwohl du schon vor mehreren Monaten gekündigt hast. Ruf dort an, kläre das Missverständnis und freu dich über die Rückzahlung.

3# Du lernst zu sparen.

Wenn du regelmäßig deine Einnahmen und alle (wirklich alle!) Ausgaben in deinem Haushaltsbuch aufschreibst, siehst du, in welchen Bereichen du viel Geld ausgibst. Lebst du alleine und brauchst monatlich 600 Euro für Lebensmittel, besteht auf jeden Fall Sparpotential. Schließlich musst du nicht zwei Mal pro Woche essen gehen, sondern kannst selbst kochen.

Führe ein paar Monate Buch und du bekommst einen guten Überblick darüber, wie deine Ausgaben für Lebensmittel, Haushaltswaren, Kosmetik, Auto und andere Bereiche aussehen.

Ein Haushaltsbuch führen – aber womit?

Um ein Haushaltsbuch zu führen, hast du verschiedene Möglichkeiten:

  • Du kaufst dir ein hübsches Büchlein und schreibst dort alles auf.
  • Für mich ist es zu nüchtern, aber vielleicht macht es dir Spaß, eine Excel-Tabelle zu benutzen.
  • Haushaltsbuchsoftware für den PC gibt es von verschiedenen Anbietern.
  • Für dein Smartphone gibt es einen Haufen Apps, bei denen du auswählen kannst.

Ich habe mir Daily Budget auf dem Smartphone installiert. Wenn ich schon etwas anfangen und durchziehen will, wodurch ich eigentlich keine Lust haben, muss mir das Produkt wenigstens extrem gut gefallen. Die App ist leicht zu bedienen und ich finde sie echt stylisch.

Jeden Abend erinnert sie mich daran, dass ich noch meine Ausgaben eintragen muss. Mittlerweile mache ich das aber schon tagsüber. Manchmal sogar schon, wenn ich das Geschäft verlasse.

Warum ich mittlerweile gerne Haushaltsbuch führe

In meine App gebe ich die regelmäßigen Ausgaben ein und das, was ich am Monatsende erwirtschaftet habe. Dann entscheide ich noch, wie viel ich von meinen Einnahmen sparen will.

Aus dem Rest errechnet mir das Programm, wie viel Geld mir täglich zur Verfügung steht. Wenn ich montags nur wenig ausgebe, rechnet es die Differenz dem Dienstag zu. Dann habe ich mehr zur Verfügung, kann sparen oder mir etwas Schönes leisten.

Dadurch verliert Sparen seinen unangenehmen Beigeschmack.

Fazit:

Ein Haushaltsbuch zu führen, ist

langweilig = Na ja, geht so

blöd = Nein

spießig = Nein – die Vorteile überwiegen für mich.

Update Oktober 2016: Mittlerweile führe ich kein Haushaltsbuch mehr. Ich weiß, wie viel Geld mir zur Verfügung steht und komme damit aus.

Wie sieht es bei dir aus? Hast du deine Aus- und Einnahmen im Blick?

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35 Kommentare

  1. Hi Linda,

    für mich wäre das früher auch nie in Frage gekommen. Aber seit ich keine Festanstellung mehr habe, verwalte ich die Ausgaben auch per App und bin erstaunt, wie viel Sparmöglichkeiten ich früher gehabt hätte bzw. wie wenig ich eigentlich wirklich zum Leben brauche.
    Insofern macht mir das Haushaltsbuch echt Spaß und animiert dazu, die überflüssigen Ausgaben gegen Null zu fahren.

    Liebe Grüße

    Mischa

    1. Komisch, oder? So ändern sich die Ansichten 🙂
      Ich brauche auch total wenig. Das war mir vorher garnicht so bewusst.

      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Lieben Gruß,
      Linda

  2. Hallo Linda,

    vielen Dank für den Artikel! Kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Seit Wochen hadere ich mit mir, ob ich ein Haushaltsbuch führen soll. Eigentlich müsste ich, da mir aktuell die Transparenz über die laufenden Ausgaben fehlt bzw. diese nicht vollständig ist. Aber wie anfangen? Excel? hmmm… dazu hab ich eigentlich keine Lust..

    Habe mir direkt die App runtergeladen und werde mich heute Abend mal damit beschäftigen… Mal sehen, ob sie das kann, was ich mir vorstelle 😉

    Liebe Grüße aus der Wedemark :-),

    Harald

    1. Hallo Harald,
      ich finde Excel auch nicht toll. Außerdem hab ich mich damit noch überhaupt nicht beschäftigt und wüsste gar nicht, wie das geht, dass die Tabelle automatisch rechnet. Ich hab auch nicht vor, das noch zu lernen 😉

      Bin gespannt, wie dir die App gefällt!
      Vielleicht gibt es welche, die noch ausführlicher sind, aber die fand ich nicht so schick 😉

      Lieben Gruß zurück 🙂
      Linda

  3. Ich führe ein Haushaltsbuch seit 1995 und finde super, dass dieses Thema hier angesprochen wird. Für mich ist es komplett unvorstellbar, ein Haushaltsbuch nicht zu führen. Es schafft Überblick, hat mir viel Unabhängigkeit und Sicherheit verschafft. Ich nitze eine gewöhnliche Tabellenkalkulation.

    1. Hallo Gabi,
      danke für deinen Kommentar.
      Siehst du? So unterschiedlich sind die Menschen. 🙂
      Was war denn damals der Grund für dich, mit dem Haushaltsbuch anzufangen? Wolltest du anfangen zu sparen oder einfach einen Überblick bekommen?

      Viele Grüße
      Linda

  4. Hi Linda,

    toller Artikel, tolle App – ich habe sie mir gerade runtergeladen. Ich bin ein Excel-Freund 😉 und liste da schon immer sehr viel auf. Aber schaffe es oft nicht tagegenau. Ich werde beide Sachen beibehalten und dann mal nach einem Monat Revue passieren lassen.

    Beste Grüße,

    Steffi Mü

    1. Hallo Steffi
      dass du als Steuerfrau Excel gut findest, überrascht mich nicht wirklich 😉
      Mir ist das einfach viel zu technisch/mathematisch. Aber das ist wahrscheinlich das, was dich anzieht.
      Bin gespannt, was dein Fazit aus dem Vergleich ist!

      Lieben Gruß
      Linda

  5. Hi Linda!

    Ich führe ein Haushaltsbuch seit dem ich denken kann… naja fast… aber sicher schon seit dem ich mein eigenes Geld verdiene. Es hat mir das Sparen ungemein erleichert und mir ein Stück finanzielle Unabhängigkeit eingebracht.

    Spießig finde ich das nicht. Es ist ein wichtiges Tools in meinem Leben.

    🙂

    1. Hallo Steffi,
      dass du schon so lange ein Haushaltsbuch führst, hätte ich nicht gedacht.
      Aber das hängt wahrscheinlich mit meiner bisherigen Denkweise zusammen, was spießig ist und was nicht. 🙂
      Und du bist mit deiner Lebensweise nun wirklich alles andere als spießig.

      Vielen Dank für deinen Kommentar.
      Lieben Gruß
      Linda

  6. Hallo Linda,

    wenn ich am Samstag bei meinen Eltern ankomme, müsste mein neues Handy dort auf mich warten, dann werde ich die App mal herunterladen und testen. Ich führe nicht direkt ein Haushaltsbuch, habe aber eine Liste, auf der ich die anstehenden Ausgaben für die nächsten Wochen notiere und mit meinem Kontostand vergleiche. Momentan reicht mein Geld z. B. mindestens bis Mitte Mai, und da ich bis dahin ja noch etwas verdiene, ist alles im grünen Bereich.

    LG,
    Daniela

    1. Hallo Daniela,
      ach, das ist eine interessante Variante. Kannte ich so noch nicht 🙂
      Aber du behältst dadurch ja auch den Überblick, was wohl am wichtigsten ist.

      Neues Handy klingt gut 😉

      Lieben Gruß
      Linda

  7. Angefangen mit Haushaltsbuch habe ich 1995, weil ich nach 12 Jahren Berufstätigkeit noch mal studiert habe ein und dann von Bafög und Nebenjobs gelebt habe. Mit knapp über 30 Jahren kein Pappenstil. Wichtigster Aspekt: Einnahmen Minus Festkosten – was bleibt für bewegl. Ausgaben übrig. Da wird man von alleine kreativ, wie sich z.B. Festausgaben reduzieren lassen.

    1. Ah okay, danke für die Info 🙂
      Stimmt, im Studium haben viele nicht viel Geld zur Verfügung.
      Ein guter Zeitpunkt, um mit dem Haushaltsbuch anzufangen. 🙂

      Lieben Gruß
      Linda

  8. Hi Linda, ich hab die app sofort geladen, dein Beitrag erreichte mich zum exakt richtigen Zeitpunkt. Das passiert mir in den letzten Tagen oft. Ich bin sehr gespannt. Ich danke dir.
    Eigentlich ist alles da, rund um uns ist alles was wir brauchen, immer. Es ist aber so viel, dass wir genau das, was es braucht oft nicht sehen und da kommen Menschen wie du ins Spiel und sortieren, ordnen, richten den Fokus auf Wesentliches und helfen dabei den Blick zu schärfen.
    Danke
    Alles Liebe
    Günter

    1. Hallo Günter,
      danke für deinen Kommentar.
      Interessant, dass sich diese Momente bei dir momentan häufen.
      Bin gespannt, was sich bei dir entwickelt 🙂

      Freut mich, dass ich dir ein bisschen helfen konnte.
      Lieben Gruß
      Linda

  9. Hallo Linda,

    herzlich willkommen im Club der Haushaltsbuchführer 🙂 ich nutze bereits seit Jahren eins und möchte darauf auch nicht verzichten. Der Name Haushaltsbuch klingt zwar tatsächlich etwas angestaubt aber um sich einen finanziellen Überblick zu verschaffen ist es noch immer bestens geeignet.

    Wer seine Finanzen über mehrere Monate hinweg vorausplant und seine Budgets einhält, kann auch nicht so schnell in eine finanzielle Schieflage geraten. Wer kein Freund von Excel-Tabellen ist, hat ja heutzutage gute Alternativen. Neben Daily Budget ist auch die kostenlose Version von MoneyControl gut geeignet – die habe ich selbst schon getestet.

    Viele Grüße, Manuel

  10. Ich werde wirklich oft ausgelacht für mein Haushaltsbuch 😀
    Aber, ich stehe da sowas von drüber denn wenn ich mit meinen Freunden oder Bekannten darüber spreche sagen mir eigentlich alle, dass sie meine damit zusammenhängende Disziplin beeindruckt.
    Für mich ist es der einzige Weg meine Finanzen im Griff zu behalten. Nach einem Monat mit hohen Ausgaben sehe ich mein Potential und setze mir neue Ziele für den nächsten Monat.

    VG Jan

    1. Hallo Jan,
      oh dich auszulachen, ist aber nicht nett.
      Aber umso besser, dass du darüber stehst und dein Ding durchziehst 🙂

      Lieben Gruß
      Linda

  11. Hi Linda,

    vor ein paar Jahren haben wir uns überlegt ein nettes Häuschen zu bauen. Weil so ein Hausbau die Finanzen doch ein wenig durcheinander wirbeln kann, haben wir angefangen ein Haushaltsbuch zu führen. Wir wollten schließlich wissen, wie hoch und für was unsere monatlichen Ausgaben sind. Am Anfang hat es ein wenig Disziplin benötigt, aber nach ein paar Jahren läuft das von alleine. Auch wir erleben immer wieder das man von Freunden oder Bekannten eine wenig belächelt wird, aber ich stimme Dir in deinem Artikel voll zu, mit einem Haushaltsbuch fällt einem das Sparen wesentlich leichter. Jeder der Vermögen aufbauen will, sollte so viel wie möglich sparen.

    Schöner Beitrag!!

    Gruß Klaus-Dieter.

    1. Hallo Klaus-Dieter,
      danke für deinen Kommentar 🙂
      Du hast recht. Gerade wenn eine so große finanzielle Belastung ins Haus steht, ist ein Haushaltsbuch sinnvoll. Zu wissen, wo das Geld herkommt und hinfließt sowie Einsparpotentiale zu sehen, ist ein großer Vorteil. Da stört es kaum, wenn die anderen nur milde lächeln 😉
      Viele Grüße
      Linda

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