Stundenlohn berechnen

Erst neulich habe ich es gemacht: Ich habe mich in Ruhe hingesetzt und mir überlegt, wie viel ich pro Stunde verdienen will. Nicht nur um zu überleben, sondern um zu leben. Wann hast du das das letzte Mal getan? Wenn du mit deinem Einkommen unzufrieden bist, ist es höchste Eisenbahn, dich damit auseinanderzusetzen.

Dass es dabei sinnvoll ist, den Preis so anzusetzen, dass du dich nicht unter Wert verkaufst, weißt du bestimmt. Je mehr Wert du dir zugestehst, desto höhere Preise sind für dich ohne ein schlechtes Gefühl eine Selbstverständlichkeit. Schließlich wollen wir uns aus den Zwängen der schlecht bezahlten Arbeit befreien, oder?

Anstatt Stundenlohn berechnen, den Wert bestimmen

Wenn du den üblichen Weg gehst und deinen Stundenlohn berechnest, verdienst du aber nie wirklich viel. Reich wirst du so nicht. Nimm stattdessen eine bessere Variante. Du bestimmst dabei bei jedem Auftrag individuell den Wert. Und zwar nicht den Wert deiner Arbeit, sondern den Wert der Lösung für deinen Kunden. Klingt kompliziert? Ist es nicht.

Der große Nachteil beim Berechnen des Stundenlohns liegt darin, dass du häufig unzufrieden mit deinen Preisen bist. Irgendwann ist Schluss mit lustig und du kannst ihn nicht weiter erhöhen. Das ginge zwar theoretisch, aber bei Preisen jenseits von Gut und Böse kommt irgendwann gar kein Kunde mehr.

Außerdem versuchen einige Kunden häufig, den Preis zu drücken, wenn ein größerer Auftrag ansteht. Das kennst du sicherlich. Bei einem kleineren Auftrag ist der Stundenlohn noch okay, aber wenn es darum geht, plötzlich zehn oder 20 Stunden zu bezahlen, werden sie knauserig.

Biete den Kunden eine Lösung

Wenn du dich an einen Dienstleister wendest, willst du keine Sache, sondern eine Lösung. Deinen Kunden geht es nicht anders – und dafür kannst du dich bezahlen lassen.

  • Der Automechaniker soll nicht die Zündkerze austauschen, sondern dafür sorgen, dass du wieder mit deinem Auto fahren kannst.
  • Den Fahrradreifen zu flicken, ist kein großer Akt, sorgt aber dafür, dass du wieder zum Supermarkt radelst.
  • Den Riss in der Lieblingsjeans zu nähen, führt nicht nur dazu, dass zwei Teile Stoff miteinander verbunden sind. Sondern du kannst sie nun endlich wieder anziehen und dich beim Vorbeigehen stolz im Schaufenster betrachten.

Die Dienstleistungen haben einen hohen Wert für dich. Wie viel bist du bereit, für sie zu zahlen?

Gespräch als Basis deiner Preisstrategie

Um deine Preise festzulegen, solltest du natürlich deinen Mindeststundenlohn kennen, damit du weißt, in welche Richtung du dich bewegst.

In den weiteren Gesprächen mit Kunden ist nun aber der Stundenlohn nicht mehr Thema. Stattdessen führst du ein ausführliches Gespräch mit ihm und fragst ihn, welche Resultate er sich wünscht. Je besser du zuhörst und fragst, desto genauer ermittelst du seine Wünsche und weißt, was er sich vorstellst. Nun überleg, wie viel diese Lösung für den Kunden wert ist.

Ich brauchte eine schnelle Lösung!

Ein konkretes Beispiel: Ich bin schnell genervt und frustriert, wenn ich an meinem Blog etwas ändern will, es aber nicht klappt. Erst gestern wollte ich unbedingt die Schriftart meiner Überschrift und Zwischenüberschriften ändern. Dass das geklappt hat, ist nicht mein Verdienst, sondern der von Robert. (Relaunch seiner Website folgt demnächst)

Ich habe ein paar Stunden damit verbracht, in verschiedenen Blogs zu lesen, in Facebook-Gruppen zu fragen und im Style-Sheet meines Themes herumzuprobieren. Weil mir aber Hintergrundwissen fehlt, hat es nicht geklappt. Auch nach dem fünften Mal nicht! Da werde ich verflixt noch mal ungeduldig!

5 Minuten Arbeit mit hohem Wert für mich

Ich wollte aber unbedingt eine neue Schrift. Da Robert bereits den Umzug meiner Domain abgewickelt hat, habe ich ihn kontaktiert. Es hat nicht lange gedauert, ich hatte die richtige Info und ein paar Minuten später die Schrift installiert. Letztendlich war es für ihn also nur eine Arbeit von ein paar Minuten. Mir wäre es aber 200 Euro wert gewesen.

Meinen Blog finde ich durch die neue Schrift viel schöner und ich fühle mich wohler damit. 200 Euro hätte ich zwar im Moment nicht für diesen Auftrag gehabt, aber wahrscheinlich hätte ich dann gespart. Anstatt mich noch weiter frustrieren zu lassen. Außerdem weiß ich, dass er gut arbeitet, nett, geduldig und schnell erreichbar ist. DAS alles ist der Wert seiner Arbeit.

Biete deinem Kunden die Wahl

In der Praxis ist mein Blog aber ein schlechtes Beispiel. Ein Blog eines Unternehmens, den jeden Tag 3.000 Leser besuchen, ist besser geeignet.

Was will der Unternehmer erreichen, indem er das Design seiner Website ändert? Er will noch mehr Leser länger in seinem Blog halten und dadurch mehr Aufträge oder Einkäufe generieren. Durch das Anfangsgespräch weißt du, was er sich im konkreten Fall davon erhofft. Das ist garantiert mehr wert als meine imaginären 200 Euro.

Hier musst du bei der Berechnung deines Preises ansetzen. Wenn du dich mit hohen Preisen noch unwohl fühlst, biete dem Kunden mehrere Pakete an. Ein günstiges Modell, wo du nur die Basics erledigst, ein mittelpreisiges, das dem Kunden schon deutlich mehr bietet und ein hochpreisiges. Hier bekommt er deine volle Unterstützung und ist sich sicher, dass du seine Bedürfnisse erfüllst.

Der Kunde sieht dadurch, welchen Vorteil er hat, wenn er dein Komplettpaket zum hohen Preis bucht. Letztendlich kann er aber frei entscheiden.

Um diese Varianten anbieten zu können, kann es notwendig sein, dass du dir neue Fähigkeiten aneignest und dich weiterbildest. Das schadet aber ja bekanntlich nie.

Der Kunde unterstützt deine Arbeit stärker

Bei diesem Modell hast du übrigens den großen Vorteil, dass du keine wirkliche Konkurrenz hast. Deine Persönlichkeit spielt hier eine wichtige Rolle, ebenso deine Fähigkeiten, Kenntnisse und dein Engagement. Sei kreativ und lass dir etwas einfallen, wodurch du dich von der Masse abhebst.

Zusätzlicher Pluspunkt: Hat der Unternehmens-Blogger von eben mehrere tausend Euro in sein neues Design investiert, wird er sich stärker anstrengen, deine Versprechungen wahr werden zu lassen.

Vielleicht ist er nun motivierter, längere und bessere Blogbeiträge zu schreiben. Und lockt dadurch neue Kunden auf seine Website. Der Gewinn entsteht dadurch nicht nur durch deine Leistung, sondern auch durch die Anstrengungen deines Kunden.

Aller Anfang ist (oft) schwer

Dieses Prinzip der Preisgestaltung ist anfangs oft nicht leicht umzusetzen. Vielleicht ist es noch nötig, dass du dich entwickelst und den Wert deiner Arbeit anders einschätzt.

Keine Sorge, mir geht es auch so. Ich finde es aber hochinteressant, nicht mehr den Stundenlohn zu berechnen, sondern den Wert. Bei meiner Arbeit als Texter kann ich mir es zwar nicht vorstellen, bei zukünftigen Projekten hingegen schon.

Was hältst du davon? Käme diese Art der Bezahlung für dich in Frage?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar.

 

Quellen und weiterführende Infos:

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