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Durch Minimalismus zu mehr Geld? 3 Blogger und ihre Erfahrungen

Mit beiden Händen halte ich das weiche Leder meines Stiefelschafts fest und schlüpfe hinein. Das Futter gibt mir das sichere Gefühl, dass meine Füße auch in den nächsten Stunden wohlig warm sein werden.

Ich bin eine echte „Klömkatt“, wie die Ostfriesen sagen – eine Frierkatze. Neben einem kalten Hals finde ich kalte Füße extrem unangenehm. Hab ich ein Paar Schuhe gefunden, das bequem und warm ist, bin ich ihm treu.

Minimalismus

Generell bin ich bei Mode eher minimalistisch unterwegs. Was ich trage, liebe ich, mehr brauch ich nicht. Zwischendurch zu shoppen, kommt daher kaum in Frage.

Aber habe ich dadurch mehr Geld als Frauen mit einem gut gefüllten Ankleidezimmer?

Ist Minimalismus eine gute Methode, um mehr Geld auf`s Konto zu bekommen?

Nein.

#1 Minimalismus ist eine Lebenseinstellung

Beim Minimalismus geht es nicht darum, dass du dich tagein tagaus quälst, dich zurückhälst und ständig verzichtest. So macht das Leben keinen Spaß! Vielmehr geht es um einen bewussten Umgang mit den Dingen, die du besitzt und die dich umgeben.

Ist es wirklich notwendig, fünf Paar Stiefel, zehn Sneaker und 20 Sandalen zu haben? Zumindest für mich nicht. Wenn dein Schuhschrank überquillst, schau dir einmal genau an, welche Paare du wirklich trägst. Spende den Rest.

Pia vom Minimalismusblog Malmini.de ist der gleichen Meinung:

„„Der sicherste Reichtum ist die Armut an Bedürfnissen“, sagte der Schriftsteller Franz Werfel. Was ist also Reichtum? Ich denke, für jeden etwas anderes. Der eine braucht viel, um sich reich zu fühlen, der andere nur sehr wenig.

Genau  das finde ich so toll am Minimalismus: Man kann augenblicklich reich werden – indem man erkennt, dass man schon alles hat, was man braucht.

Denn im Grunde brauchen wir viele Statussymbole, die für Reichtum stehen, überhaupt nicht. Der riesige Fernseher, die Ferienwohnung auf den Malediven, den dicken Geländewagen – wozu? Damit andere uns bewundern?

Was vielen Menschen hingegen fehlt, ist Zeit. Deshalb ist meiner Meinung nach Zeitwohlstand auch der einzige Reichtum, den es sich wirklich anzustreben lohnt. Und den erreicht man am leichtesten, indem man aufhört, seine begrenzte Lebenszeit gegen Geld und das Geld gegen unnötige Gegenstände einzutauschen.“

#2 Minimalismus befreit

Auch wenn du eigentlich weißt, dass du nur ein Drittel von dem benutzt, was du hast, fällt es trotzdem schwer, dich davon zu trennen.

Mit vielen Dingen sind Erinnerungen und Gefühle verbunden und da fällt Loslassen schwer.

Aber sei einmal ehrlich: Verschwinden deine Erinnerungen an ein Candle Light Dinner, nur weil du die Serviette des Restaurants jetzt wegwirfst? Nein. Und wenn doch, war es vielleicht schon längst Zeit, dich davon zu verabschieben.

#3 Minimalismus lässt dich bewusster leben

Eigentlich logisch, oder? Wenn du weißt, dass du nur ein oder zwei Paar Stiefel für den Winter brauchst, achtest du beim Kauf mehr darauf, was du für dein Geld bekommst. Kompromisse einzugehen, ist dann eine blöde Idee.

Habe ich aber zehn Stiefel und kann ständig wechseln, ist es relativ egal, ob ich nach einer Stunde tragen Hühneraugen bekomme, sich im zweiten Paar Blasen an der Hacke bilden oder das dritte eigentlich sowieso eine Nummer zu klein ist, aber soooo schön war.

#4 Durch Minimalismus erkennst du, wer du bist

Michael von Minimalismus-Leben.de liefert Punkt Nummero 4:

„Nach 5 Jahren Minimalismus habe ich einige Dinge für mich gelernt, die ich sehr gerne teile. Reichtum bemisst sich für mich nicht nach der Anzahl der Dinge, die man besitzt oder dem Geld, welches auf dem Konto liegt, sondern an persönlichen Erfahrungen, tollen Momenten und der Möglichkeit Dinge zu tun, die mir am Herzen liegen.

Ich habe für mich gelernt, mehr im Moment zu lebe und die kleinen Dinge des Lebens viel mehr zu schätzen.

Ich mag den anderen Austausch mit Menschen sehr gerne und freue mich über das Thema mit so vielen interessanten Persönlichkeiten ins Gespräch gekommen zu sein.

Minimalismus hat mir auch geholfen meine wirklichen Bedürfnisse zu verstehen und nur vorgeschobene abzulegen.

Ich war früher jemand, der jedes halbe Jahr ein neues Handy hatte und versucht hat, damit etwas nach außen auszusagen. Meinen aktuellen Laptop habe ich nun knapp 5 Jahre und den Oberklasse-Smartphones habe ich dieses Jahr auch abgeschworen.

Gandhi hat mal gesagt: Reich wird man erst durch die Dinge, die man nicht begehrt. Das kann ich nur unterstreichen. Für mich heißt Minimalismus, Unnötiges zu reduzieren, Freiheit zu erleben und wirklich glücklich zu sein.

#5 Aber Minimalismus sorgt nicht für mehr Geld

Mehr Geld hast du nicht automatisch auf dem Konto. Da passiert nur, wenn du sowieso gut mit Geld umgehen kannst und durch deinen minimalistischen Lebensstil weniger ausgibst als vorher.

Gerade das passiert aber bei dir nicht. Irgendwo gibt es Blockaden oder Glaubenssätze, die dich daran hindern, weniger Geld auszugeben und zu sparen.

Bei mir waren es vor allem Kleinigkeiten, die am Ende des Monats eine ziemliche Größe erreicht hatten. In der Drogerie ist nicht das günstige Shampoo im Korb gelandet, sondern das exklusive. Natürlich plus passender Spülung.

So kam eins zum anderen.

Du kannst sogar wirklich überzeugt davon sein, Minimalismus durch und durch zu leben. Am Ende des Monats ist das Geld weg und du weißt nicht, wo es geblieben ist.

Was kannst du also tun?

  1. Fang an, dir einen Überblick zu verschaffen, sammel alle Quittungen, führe ein Haushaltsbuch oder leg eine Kasse an. Setz dich jeden Abend hin und überleg dir, in welchen Geschäften du warst. Machst du das erst ein paar Tage später, gehen dir garantiert ein paar Stationen durch den Lappen. Das Ego spielt uns da gerne einen Streich.
  2. Teil dir dein Geld ein. Jeden Monat nimmst du einen Teil deines Einkommens, den du für dein Privatvergnügen ausgeben darfst. Wichtig: Wenn alle, dann alle!
  3. Dieses Geld hebst du von deinem Konto ab und packst es in deine Spardose zuhause. Wenn du shoppen gehst, legst du es dir in dein Portemonaie und lässt deine Geldkarte zuhause. Die blöde Karte sorgt nur dafür, dass du mehr ausgibst, als du eigentlich vorhattest.

Hast du Geldprobleme, auch wenn du dich an allen Ecken und Kanten einschränkst?

Schreib mir deine Erfahrung in die Kommentare.

14 Responses
  1. Wie wunderbar, dass sich mein erster Gedanke NICHT bestätigte („Oh je, wird jetzt der Minimalismus instrumentalisiert?“).
    Ich finde, eine prima Möglichkeit, dem eigenen Kaufverhalten näher auf die Spur zu kommen, ist Alltags-Achtsamkeit. Das ist eine hervorragende Ergänzung zum Minimalismus. In Kürze beschrieben, geht es darum, zwischen Reiz (z.B. ich sehe etwas in einem Geschäft) und Reaktion (ich kaufe dieses Teil) eine Achtsamkeits-Pause einzulegen. Also nicht automatisch in den Einkaufswagen legen, sondern mal kurz in sich hinein spüren: Wie geht es mir gerade (bin ich z.B. geschafft von der Arbeit und will mir was – vermeintlich – gutes tun?) Was hat mich gerade angesprochen (z.B. die schönen Auslagen, das ansprechende Design, Gerüche, Geräusche….). Und mal kurz in die Zukunft denken (was ist, wenn ich dieses Teil Zuhause habe…), meistens ist es nämlich nur der Kaufimpuls und nicht das Produkt als solches. Oder ein paar Minuten mit dem Teil durch den Laden laufen und dann nochmal überprüfen: Will ich das wirklich?? – Mit ein wenig Übung, entdeckt man so im Laufe der Zeit die spannendsten Hintergründe zum eigenen Kaufverhalten und kann dann entsprechend besser damit umgehen.

    1. Linda

      Hallo Gabi
      danke für deinen Kommentar.
      Ein bisschen achtsamer zu sein, hilft beim Einkaufen wirklich viel weiter. Danke für deine kleine Übung 🙂

      Lieben Gruß
      Linda

  2. Esmeralda

    Minimalismus ist ganz nett, aber schwer umzusetzen, wenn man berufstätig ist und Familie hat. Ich kann im Job nicht jeden Tag das gleiche anziehen, dazu kommen Events und Meetings, an denen frau einfach ein bisschen auf den Putz hauen muss. Machen Männer übrigens genauso. Das klingt jetzt blöd, ist es auch, aber es ist eben so. Man kann den Affen im Dschungel auch sagen, höre auf, um Dein Revier zu kämpfen, das ist doch sehr kräfteraubend, aber der Affe macht es dennoch. So geht es auch vielen Menschen. Dazu kommen die Kinder, die mir das Geld aus der Tasche ziehen. Meine letzte Kreditkarten-Rechnung betrug etwas über 400,- Euro, davon war kein Cent – ich schwöre! – von mir, das war alles Zeugs für die lieben „Kleinen“ (mein Sohn ist einen Kopf größer als ich). Natürlich ist es schön, auszumisten, aber davon wird das Konto auch nicht voller. Ich bin ein großer Fan von regelmäßigem Einkommen – wenn möglich auch noch hoch -, das gibt am Ende den größten Wohlstand. Sehr schade, dass viele Frauen das nicht so sehen. Und natürlich tausche ich Lebenszeit gegen Geld, aber das ist eben das Schicksal der vermögenslosen Mehrheit. Eine Boutique mit Tee-Ausschank ist schön, kann aber am Ende bittere Armut bedeuten. Und das 1millionste Lebenshilfe-Buch (oder Scheidungsratgeber, lustiges Singledasein, zweifach-Mutti usw.) will dann vielleicht auch keiner mehr lesen. Wir sind leider weniger kreativ und interessant, als wir selbst oftmals denken, also mein Tipp an alle ist: Geht arbeiten, verkauft Euch so teuer wie es geht und gebt das Geld wieder aus. Dann habt ihr, wenn ihr alt werdet, eine hohe Rente, und wenn ihr jung sterbt, habt ihr wenigstens etwas davon gehabt.

      1. Esmeralda

        Der Brigitte-Tipp wäre jetzt nicht so ganz meins, da gerät man schnell in die Autismus-Ecke. Eine inzwischen verstorbene alte Dame holte früher immer einen recht hohen Betrag (ich glaube, es waren 800,- Euro) bar vom Konto, um damit ihre Ausgaben über den Monat zu bestreiten. Dann wurde ihr einmal im Bus das gesamte Geld gestohlen. Darüber würde ich mich so ärgern, das kann ich gar nicht beschreiben.

  3. Hallo Linda,

    ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass immer mehr Konsum und immer mehr Besitztümer nicht glücklicher oder zufriedener machen. Im Gegenteil: Besitz ist auch ein Ballast, der belasten kann.

    Worauf ich jedoch ungern verzichte, sind Bücher. Davon kaufe ich über das Jahr gesehen eine Menge. Aber gern auch gebraucht über Amazon. Wozu mehr ausgeben als unbedingt nötig?

    Auch ein Blick auf die aktuelle Glücksforschung hilft:

    Nicht der Besitz materieller Dinge macht glücklich, sondern Familie, Freunde und schöne Erlebnisse wie Konzert- oder Restaurantbesuche.

    Und zusätzliches Einkommen trägt bis etwa 65.000 Euro p.a. wohl zum Glücksempfinden bei, aber darüber hinaus nicht mehr.

    Das heißt: Wer mit einem Einkommen von 1.000 Euro pro Monat 100 Euro mehr zur Verfügung hat, der freut sich darüber. Wer aber bereits 150.000 Euro p. a. verdient, den machen weitere 1.000 Euro nicht wirklich glücklicher.

    Weniger kann also mehr sein!

    In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch!

    Jürgen

    1. Linda

      Hallo Jürgen,
      danke für deinen Kommentar 🙂
      Ich stimme dir voll zu: Bücher kaufe ich auch gerne oder lasse sie mir schenken. Und auch mal gebraucht über Amazon.
      Ich hab hier zwar meinen kleinen Stapel liegen, den ich bisher noch nicht gelesen habe, aber ich freue mich jedes Mal, wenn ich ihn ansehe.
      Da stecken noch tolle Stunden drin.
      Ich nehme an, da geht es dir nicht anders, oder? 🙂 Bücher, die wir uns bewusst ausgesucht haben, haben einen tollen Wert, finde ich.
      Was liest du so?

      Lieben Gruß und schöne Weihnachten,
      Linda

  4. Hallo Linda,

    was für ein schöner Beitrag! Ich bin ein großer Fan der Bewegung und um ehrlich zu sein, muss ich hier auch gleich ein Geständnis ablegen…ich habe noch nie in meinem Leben ein Möbelstück gekauft.

    In den letzten 10 Jahren bin ich (beruflich) unheimlich weit rumgekommen und abgesehen von einmal im Jahr shoppen und gelegentlichen gutem Essen besitze ich sehr wenig Materielles. Selbst ein Auto hab ich noch nie besessen…ich hatte nie das Bedürfnis und Sachen des alltäglichen Lebens machen weniger Glücklich als die Begegnung mit Natur und Mensch.

    Jedoch macht es uns die Konsumgesellschaft wirklich nicht leicht. Wo früher die Propaganda einer politischen Richtig stand, sind heute Werbeplakate…über all wird dir gezeigt wie du sein musst und was du besitzen sollst. Hier werden raffinierte tricks aus der Psychologie angewendet und so verwundert es nicht, dass sich immer mehr Menschen dem Konsum zuwenden….

    Ich freue mich auf weitere Beiträge dieser Art!

    Beste Grüße und frohe Weinachten,
    Michael

    1. Linda

      Hallo Michael,
      danke für deinen schönen Kommentar 🙂
      Wieso Geständnis? 😀 Ist zwar selten, dass jemand noch nie ein Möbelstück gekauft hat, aber völlig in Ordnung 😉 Autos sind meiner Meinung nach eh völlig überbewertet. Ich kenne einige Leute, die es eigentlich nicht bräuchten, aber trotzdem eins haben.
      Kennst du dich mit Werbepsychologie aus?

      Dir auch schöne Weihnachten!
      Lieben Gruß
      Linda

  5. Hallo Linda,

    dein Beitrag passt supergut zu meinem aktuellen Jahresvorsatz endlich mal alles Überflüssige los zu werden und Platz zu schaffen. Gerade das Aussortieren von sentimentalen Werten fällt mir auch nicht leicht.

    Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Maiherz, dass ich ewig zuhause hängen hatte. Als ich dann umgezogen bin hab ich mich gefragt: Kann ich das jetzt wirklich wegwerfen? Immerhin war es in stundenlanger Friemelsarbeit selbstgemacht worden für mich… Meine Freundin hat mich dann überzeugt, dass das schon ok ist, und ich mich ja noch mal dafür bedanken könne. Dieses bewusste Loslassen hat mir sehr geholfen.

    Mit meinem neuen Vorsatz einher geht natürlich auch weniger zu kaufen. Dabei hilft es mir oft zu überlegen, ob ich das Ding jetzt wirklich brauche, oder, beim Online-Shopping, die Sachen noch einen Tag im Warenkorb zu lassen bevor ich wirklich bestelle. Beim Drüberschauen fällt dann oft noch das ein oder andere Teil weg.

    Ich fand deinen Artikel auf jeden Fall total ermutigend und freue mich auf mehr! 🙂

    1. Linda

      Cool! Freut mich, dass dir der Beitrag hilft 🙂
      Was ist denn ein Maiherz? Den Begriff kenne ich nicht.

      Liebe Grüße
      Linda

      1. Das ist ein Brauch bei uns. In der Nacht zum 1. Mai hängen die Jungs den Mädels Herzen aus Styropor und Kreppbändern mit dem Namen der Angebeteten ans Fenster. Das ist sozusagen die Luxusversion des Maibaums 😉

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