„Ich melde mich mal als deutsche Millionärin“ – mit diesem Satz beginnt ein Kommentar zur Buchvorstellung von „Millionäre nebenan“ in diesem Blog.

Da Monika dort offen über einige ihrer Erfahrungen schreibt, habe ich die Chance genutzt und sie zu einem Interview eingeladen. So oft treffe ich schließlich nicht Millionäre in Deutschland. 

In diesem Interview geht es vor allem darum, welche Erfahrungen Monika Reich** in ihrer Kindheit und beim Heranwachsen im Elternhaus gemacht hat. Hat sie ein finanzielles Vorbild, was waren ihre Ziele, wie ordnet sie ihr Selbstwertgefühl ein und ihr Gefühl von Reichtum: Diese Fragen habe ich ihr gestellt.

Übrigens: Als Monika ihre finanzielle Freiheit erreicht hat, war sie 45. Nicht schlecht oder?

Welche Erfahrungen hast du in deinem Elternhaus mit Geld gemacht?

Wir haben sparsam gelebt. Oder vielleicht besser wirtschaftlich. Meine Eltern haben sehr darauf geachtet, möglichst eine günstige Lösung für was auch immer zu finden. Und sie hat es sehr gefreut, wenn sie diese gefunden haben.

Lebensmittel wurden immer bis auf das letzte bisschen aufgebraucht, im Sommer haben wir viel aus dem eigenen Garten verwendet.

Nur bei zwei Dingen habe ich relativen Reichtum bei meinen Eltern erlebt: Bei der musikalischen Bildung und bei Reisen. Das war meinen Eltern wichtig und da haben sie Geld investiert.

Dass ich meine Geige seit dem Studium nicht mehr in die Hand genommen habe, verbuchen sie entsprechend auch etwas pikiert unter Geldverschwendung.

Außerdem habe ich eine klare Rollenverteilung erlebt, die ich sehr kritisch hinterfragt habe. Mein Vater hat sich um das große Geld gekümmert, meine Mutter hatte Geld auf ihrem Girokonto, hat es abgehoben und ausgegeben.

Alles andere lag in der Hand meines Vaters. Schon Überweisungen empfand meine Mutter als Herausforderung.

Mit 16 hatte ich für ein Jahr ein anderes Elternhaus in den USA. Ich war dort ein Jahr lang in der Schule, meine Gastfamilie hatte wenig Geld und ein ausgeprägtes Armutsbewusstsein. Hier habe ich erlebt, wie es ist, wenn wirklich kein Geld da ist.

Und erst mit dieser Abwesenheit von Geld wurde mir klar, dass in meinem eigenen Elternhaus zwar sehr sparsam gelebt wurde, es aber immer genug Geld gab, wenn meine Eltern überzeugt waren, dass eine Investition sinnvoll ist.

Wer war dein finanzielles Vorbild?

Ich glaub, ich hatte und habe kein finanzielles Vorbild.

Ich hätte gerne eins, weil ich mich manchmal sehr orientierungslos finde und ich gerne auf jemanden schauen würde, der dies auch so gemacht hat. Bisher habe ich einen solchen Menschen aber nicht entdeckt. Ich bin stattdessen dankbar, wenn ich Menschen finde, mit denen ich mich über Geldthemen austauschen kann.

Gerade andere vermögende Menschen tun das aber sehr ungern, von daher habe ich nicht so viele Menschen, mit denen gute Gespräche möglich sind.

Für mich war Unabhängigkeit und Freiheit immer sehr wichtig, verbunden mit einem kritischen Hinterfragen vielfältiger Lebenssituationen. Ich kann mich gut erinnern, was für ausgiebige und lange Diskussionen wir unter Freunden am Ende der Schulzeit zum Thema Arbeitsleben geführt haben.

Die Vorstellung, jeden Tag acht Stunden irgendwas zu machen, nur um Geld zu verdienen, war mir immer irgendwie ein bisschen zuwider. Ich wollte Dinge im Umweltschutz und für eine bessere Welt tun und die waren in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der Regel noch nicht bezahlt.

Daraus entstand meine Rechnung, wie lange ich arbeiten muss, bis ich genug Geld zusammen habe, dass ich von den Zinsen leben kann.  Es war damals nur eine Rechnung, aber irgendwie habe ich mein Unterbewusstsein und das Universum darauf programmiert, diese Rechnung umzusetzen. Bloß mein Zinssatz von damals – 6% auf Festgeld – hat nicht geklappt.

Wie wichtig ist es für dich, Ziele zu setzen?

Das war sehr wichtig und bereitet mir jetzt tatsächlich Probleme. Aber der Reihe nach. Ich habe mir in meinem Leben viele Ziele gesetzt und die Erfahrung gemacht, dass ich sie in der Regel erreiche. Das hat mich natürlich motiviert, mir neue Ziele zu setzen. Meistens waren diese Ziele um das Erwerbsleben und ums Geld verdienen herum orientiert.

Jenseits dessen fällt mir nur der Besuch im Fitnessstudio ein, der mal als Ziel gestartet und jetzt zur Routine geworden ist.  

Aus dieser überwiegenden Fokussierung aufs Geld in Bezug auf meine Ziele habe ich gerade auch ein Problem: Ich muss jetzt kein Geld mehr verdienen, sondern es reicht mir, wenn die Kunden und Teilnehmer, die gerne mit mir zusammenarbeiten, von alleine kommen.

Ein Leben ohne Ziele macht mich aber unzufrieden!

Noch habe ich nicht die richtige Antwort für mich gefunden, aber hier werde ich mich in den nächsten Jahren sicherlich noch weiterentwickeln. In welche Richtung das geht, weiß ich noch nicht.

Welche Rolle spielt das Selbstwertgefühl?

Keine Ahnung, aber ich weiß, dass ich viel davon habe.

Ich glaube, das können Menschen mehr beantworten, die davon wenig haben.

Mein Selbstwertgefühl hat sicherlich dazu beigetragen, dass ich selten irgendwelche Ausgaben für meine Selbstdarstellung getätigt habe. Ob Auto, Handy oder aufwendige Handtaschen, mir ging es in der Regel um die Funktion und ich nutze gerne gebrauchte Sachen, wenn diese noch ihren Zweck erfüllen.

Eine interessante Beobachtung mache ich gerade bei meiner Preisgestaltung. Je weniger ich auf fremdes Geld angewiesen bin, desto leichter fällt es mir, die Preise zu erhöhen.

Wenn im Augenblick Anfragen für Beratungsprozesse reinkommen, bewerte ich diese mehr nach meiner Lust und nicht nach der Notwendigkeit des Gelderwerbs. Die Lust ist nicht immer hoch, also das Angebot teuer.

Früher als ich noch mehr hinter dem Geld her war, habe ich beim Preis eher Abschläge gemacht, weil ich auf jeden Fall den Zuschlag wollte. Natürlich bekomme ich mit dem teureren Preis nicht immer den Zuschlag. Aber erstaunlich oft.

Wie fühlt sich Reichtum für dich an?

Sehr fremd und ungewohnt. Um nicht zu sagen, reich fühle ich mich immer noch nicht. Das Gefühl ist mir auch nicht so wichtig. Zu meinem Freiheitsbedürfnis ist eine neue Nuance dazugekommen, die finanzielle Freiheit.

Und das ist tatsächlich toll.

Es macht sich an so kleinen Details bemerkbar, wie letzten Samstag. Ich hatte eigentlich einen Netzwerktermin. Also solche Termine, wo sich Selbständige treffen, um sich über ein Thema auszutauschen, aber der eigentliche, versteckte Zweck die Akquise ist.

Mit unglaublich viel Selbstdarstellung.

Es war ein sonniger Tag und ich hatte mich extra ein bisschen in Schale geworfen. Auf dem Weg zur Bahn war mir schon klar, dass diese Schale viel zu warm ist. Bevor die Bahn kam, wusste ich, dass ich eigentlich lieber im Garten sein will. Ich bin umgedreht und war 10 Minuten später im Garten.

Und hab mich sehr gefreut über diese Freiheit, nicht mehr unspezifische Akquisetermine wahrnehmen zu müssen. Ich war übrigens nicht angemeldet zu dem Treffen. Sonst würde mein Verbindlichkeitsmanager in mir toben, einfach so wegbleiben, geht nicht so gut.

Bis ich mir zugestanden habe, dass ich finanziell frei bin, hat es einige Jahre gedauert. Neben meinem Freiheitsbedürfnis habe ich mit dem Ansammeln von Geld auch mein Sicherheitsbedürfnis befriedigt.

Immerhin ist es gerade als selbständig tätige Person sehr sinnvoll, über genügend Rücklagen zu verfügen. Mein innerer Sicherheitsmanager sieht gerne Börsencrashs, den kompletten Zusammenbruch unseres Geldsystems und andere Dramen kommen. Man kann einfach nie sicher genug sein.

Ich trete gerne mit meinem Sicherheitsmanager in den Dialog und wir haben uns darauf geeinigt, dass es durchaus sein kann, dass das Leben noch Unwägbarkeiten mit sich bringt. Mit diesen werde ich möglicherweise umgehen müssen, wie alle anderen Menschen auch.

Ich werde mich weiterhin weiterbilden, weil mich mein Beratungsfeld interessiert. Entsprechend werde ich in den nächsten 20 bis 25 Jahren auch wieder durchstarten können, wenn dies denn sein muss.

Die Erkenntnis, die mein Opa aus der Kriegsgefangenschaft mitgebracht hat, beruhigt meinen Sicherheitsmanager ungemein: [bctt tweet=“„Man kann Dir alles nehmen, nur nicht das, was Du im Kopf hast“.“]

 

Hat dir das Interview gefallen? Wenn du mehr von Monika lesen möchtest, lege ich dir ihr Ebook „Finanziell frei“ ans Herz, das du ab sofort bei Amazon bekommst. Im ersten Teil erzählt sie ihre Geschichte, im zweiten Teil durften ich und einige weitere Finanzblogger mit einem Artikel einen Beitrag leisten.

Hier geht`s zum Ebook*

 

** ihr richtiger, vollständiger Name ist mir bekannt.

 


Linda
Linda

Ich war in der Privatinsolvenz, selbstständig und hatte ständig Angst, dass mein Einkommen nicht ausreicht – auch wenn ich eigentlich immer genug verdient habe. So sah mein Leben vorher aus. Heute weiß ich, dass der Umgang mit Geld sich gut anfühlt, wenn du dein Geldbewusstsein änderst: Genieß dein Leben und spür die Fülle!

    14 replies to "Millionäre in Deutschland: Monika Reich im Interview"

    • Marita

      Wow, danke für dieses tolle Interview.
      Sehr inspirierend, da ich mich in einigen Dingen sehr wohl wieder erkenne. So war es auch bei mir, dass ich mir schon als Jugendliche große Ziele gesetzt habe. Eines davon war bis 30 bin ich selbstständig. Nun habe ich mit 30 meine erste Selbstständigkeit wieder aufgegeben und starte gerade eine neue, weil es sich nicht mehr richtig anfühlt.
      Auch das Thema der Preisgestaltung ist super interessant. Während der letzten Jahre habe ich auch gemerkt, wie stark man den Kunden hinterher hechelt, wenn das Geld knapp ist. Daran arbeite ich derzeit noch, bin aber sicher auch das klappt irgendwann 😉
      Danke für die Mühe die du dir mit dem Blog machst. 🙂 <3

      • Linda

        Hallo Marita,
        freut mich, dass dir das Interview gefällt.
        Ja, die Preisgestaltung von Monika ist spannend oder?
        Bestätigt die These, dass es für jeden Preis die passende Zielgruppe gibt 😉

        Lieben Gruß
        Linda

    • Claudia

      Liebe Linda,
      dieses Interview hat mir sehr gut gefallen. Gute Fragen, die es möglich gemacht haben, außergewöhnliche Antworten von einer wirklichen beeindruckenden Frau zu erhalten.
      Liebe Grüße

      • Linda

        Hallo Claudia,
        schön, dass es dir gefallen hat 🙂
        Ich fand es auch super, dass Monika so offen über ihre Erfahrungen erzählt und damit anderen Menschen hilft.

        Lieben Gruß
        Linda

    • Robert Kraxner

      Hallo zusammen,

      sehr spannend finde ich, dass scheinbar auch Menschen die in finanzieller Fülle leben, nicht über Geld sprechen.

      „Geld“ ist ein absolutes Tabu-Thema in unserer Gesellschaft.

      Darauf führe ich unter anderem die kranke Beziehung zurück, die die meisten Menschen zu Geld haben.

      Lasst uns über Geld sprechen!

      Dadurch kann unsere Geld-Beziehung gestärkt werden und wieder ins reine kommen.

      DANKE für dieses inspirierende Interview / Artikel.
      Alles Liebe
      Robert

      • Linda

        Hallo Robert,
        ich danke auch 🙂
        Ja, darüber wird so wenig geredet. Aber du hast ja auch einige Artikel schon zum Thema Geld geschrieben, sodass sich vielleicht noch was ändert.

        Lieben Gruß
        Linda

    • Rene

      Menschen, die negativ über Geld sprechen und sich dann wundern, warum sie arm sind oder eben kein Geld besitzen, haben es meiner Meinung nach nicht anders verdient.

      Geld ist nicht böse. Menschen, die mit Geld die falschen Dinge tun, die sind böse.

      Ich habe anfangs so gedacht, habe mich über mein eigenes Unvermögen, Geld zu verdienen, maßlos geärgert, habe mich damit abgefunden, arm zu bleiben. Doch dann änderte ich meine Einstellung zum Thema Geld, entdeckte die Möglichkeiten, die Geld mir bieten, und es war nicht überraschend, dass immer mehr Geld in mein Leben trat.

      Natürlich tue ich viel dafür, Geld in mein Leben treten zu lassen. Von nichts kommt nichts. Aber ohne die richtige Einstellung zum Geld könnte man sich noch so sehr anstrengen, Erfolg würde sich nicht einstellen.

      • Linda

        Hallo Rene,
        och na ja, ich würde nicht sagen, dass sie es nicht anders verdient haben.
        Vor einem Jahr wusste ich ja auch noch nicht, dass es da einen wichtigen Zusammenhang gibt.
        Den meisten Menschen ist überhaupt nicht bewusst, wie sie denken und reden. Ihnen daraus einen Vorwurf zu machen, finde ich ein bisschen zu krass 🙂

        Lieben Gruß
        Linda

    • Melanie

      Hallo,
      Das Interview hat mir sehr gut gefallen. Ich habe Monikas Buch auch schon gelesen und kann es nur empfehlen. Auch ich habe das Problem, nach dem Erreichen der Finanziellen Freiheit danach noch ein weiteres Ziel zu finden, das man mit gleicher Leidenschaft verfolgt. Leidenschaft kann man aber nicht erzwingen. Auch da suche ich noch meinen Weg. Das ist aber nicht so einfach. Denn es soll nicht nur Spaß sondern auch Sinn machen.

      • Linda

        Hallo Melanie,
        danke für deinen Kommentar 🙂

        Bist du schon finanzielle frei? Hört sich so an 🙂

        Liebe Grüße
        Linda

    • Monika Reich

      Liebe Linda,

      Da ist ja ein tolles Interview aus unserem Gespräch geworden, ich freu mich sehr über die Veröffentlichung. Und folge jetzt auch den Kommentaren, falls ich noch Fragen beantworten soll/kann/darf

      Liebe Grüße Monika

      • Linda

        Ach, das Interview hast du bisher noch nicht gesehen? Das ist aber nicht unser Interview, das wir über Skype gemacht haben!!! 😀
        Dieses hier hast du mir schon im September 2015 gegeben 😉
        Das Podcast-Interview kommt noch.

        Liebe Grüße
        Linda

    • Monika Reich

      Da schau an. Was frau so alles als neu wahrnimmt, wenn sie drei Fußballbier getrunken hat und kurz vor dem Schlafengehen noch Beiträge über sich selbst liest. Liegt es am Alkohol oder am Ego, ich habe mich auch gestern nochmal gefreut. Und nicht geschnallt, dass ich mich vor einem Jahr schon mal gefreut habe. Und mich immer noch auf den Podcast freuen darf. Denn darüber habe ich mich schon in meinem alkoholumnebelten Hirn gewundert. Wo ist der Podcast? Ich freu mich drauf!
      Tschüß Monika

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