„Ein großer Fernseher wäre toll!“ Sonja hat keine Lust mehr, den alten Röhrenfernseher zu benutzen – sogar ihre Freundinnen ziehen sie mittlerweile damit auf. „Ach, so ganz flach wäre schön! Und 3D ist ja auch nicht mehr so teuer wie vor ein paar Jahren …“

Gibt nur ein klitzekleines Problem: Sonja hat nicht das Geld, um sich einen solchen Fernseher zu leisten. Sie ist zwar selbstständig und verdient nicht allzu schlecht, aber ein paar tausend Euro hat sie deswegen trotzdem nicht auf der hohen Kante.

Und nun? „Von so einem riesigen modernen Fernseher träume ich schon sooo lange“, grübelt sie. „Ich gönne mir ja sonst nichts.“

Nur drei Wochen später steht der Lieferwagen vor der Tür und zwei kräftige Männer tragen das große Gerät ins Wohnzimmer. Noch 20 Euro Trinkgeld und Sonja ist im Land ihrer Träume angekommen.

Hausfrauenkredit – was der Name bedeutet

Wie hat sie das mit ihrem Einkommen aus der Selbstständigkeit und ohne Rücklagen geschafft?

Hausfrauenkredit ist das Zauberwort.

Okay, sie ist keine Hausfrau, zumindest nicht nur. Aber der Begriff stammt ursprünglich aus früheren Zeiten, als diese Kreditform nur für Hausfrauen vorgesehen war: Sie haben kein Einkommen, wollen trotzdem einen Kredit aufnehmen und können der Bank daher keine Sicherheiten bieten.

Heute heißt er Kleinkredit, Privatkredit oder so ähnlich. Das Prinzip ist aber ähnlich.

Die Bank ist nicht blöd und lässt sich dieses Risiko bezahlen. Und zwar in Form von Zinsen. Und das nicht zu knapp.

1. Hohe Zinsen beim Hausfrauenkredit

Die Zinsen beim Hausfrauenkredit sind ziemlich hoch. Wenn du allerdings bei einem Vergleichsrechner einen Vergleich startest, bist du vielleicht sogar überrascht, was du für tolle Angebote siehst. Aber pass bloß auf!

Wahrscheinlich ziemlich klein und unauffällig steht irgendwo geschrieben (Zaubertinte ist verboten), dass sich die Angebote nach der Bonität richten. Die guten Zinsen erhalten nur ein Teil aller Kreditnehmer.

Die Bonität ist die Kreditwürdigkeit, also wie sehr dir die Bank vertrauen kann, dass sie ihr Geld zurückbekommt. Und nun rate mal, wie gut deine Bonität ist, wenn du kein oder nur ein niedriges Einkommen hast! Bingo – sie ist niedrig.

Bonität niedrig, Zinsen hoch.

Die tollen Kreditangebote gelten also nicht für dich, sondern du musst mit wesentlich höheren Zinsen rechnen. Mehr als 10 % pro Jahr wurden mir angezeigt. Dadurch wird natürlich der Fernseher ebenfalls teurer. Ist er das wirklich wert?

2. Keine Schufa? Kein Problem!

Noch blöder wird es allerdings, wenn du schon einen Eintrag bei der Schufa hast. Deine Bonität ist damit praktisch nicht mehr vorhanden. Denn dieser Eintrag zeigt, dass du Schulden gemacht hast. Die Bank muss dann umso mehr befürchten, ihr Geld nicht mehr zurückzubekommen.

Was für ein Glück, dass es heute den Hausfrauenkredit ohne Schufa-Auskunft gibt! Von wegen …

Lass von solchen Angeboten auf jeden Fall die Finger!

Die Zinsen sind bei diesen Krediten unter Umständen noch höher und es gibt schwarze Schafe auf dem Markt. Gerätst du an eine zwielichtige Gestalt und kannst deine Raten nicht mehr zurückbezahlen, klopfen vielleicht sogar irgendwann Männer in schicken schwarzen Anzügen an deine Tür.

3. Die Schuldenfalle schnappt zu

Stell dir einmal vor, dass du für deinen Fernseher einen Kredit über 5.000 Euro aufnimmst und ihn über drei Jahre abbezahlst. Die Garantie läuft nach zwei Jahren ab, kurz darauf bleibt der Bildschirm schwarz. Die Glotze ist im Eimer.

Und nun musst du noch ein Jahr weiterhin die blöden Raten zahlen, obwohl du den Fernseher schon nicht mehr benutzt.

Ein neuer Fernseher ist jetzt nicht drin, maximal ein kleiner gebrauchter. Und damit stehst du wieder ganz am Anfang – nur mit mehr Schulden.

Noch schlimmer ist übrigens ein Kredit für einen teuren Urlaub. Du bist zwei Wochen entspannt in luxuriöser Umgebung und musst dann eventuell noch jahrelang dafür zahlen. Selbst wenn du schon wieder voll im Arbeitsstress gefangen bist.

4. Übernimm Verantwortung für dein Leben

Denk außerdem daran, dass du nicht ganz zufällig einen Schufa-Eintrag hast. Meine Privatinsolvenz ist nicht entstanden, weil ich ein perfekter Geldjongleur bin, sondern weil ich bis vor kurzem noch keinen Plan davon hatte, wie ich mit meinem Geld umgehe.

Genauso wie bei mir gibt es bei dir ein kleines Geldproblem. Wichtig ist, dass du dir das bewusst machst.

Einen Hausfrauenkredit zu beantragen, lässt sich in vielen Fällen vermeiden und du kannst stolz auf dich sein, Verantwortung für dein Leben übernommen zu haben.

Hausfrauenkredit 2

Schulden sind immer Scheiße. Du bist abhängig von anderen Leuten, selbst wenn es eine Bank ist. Du hast im Hinterkopf, dass du etwas schuldig bist und das fühlt sich nicht gut an.

Wie viel besser fühlt es sich an, wenn du sparst und die Summe gleich beim Kauf mit einem Schlag bezahlen kann?!

Das hat außerdem noch einen weiteren Vorteil: Wenn du ein Jahr auf den ach-so-tollen 3D-Fernseher sparen musst, merkst du im Laufe der Monate, ob du ihn wirklich haben willst. Vielleicht stellst du fest, dass 3D doch nicht so wichtig ist und freust dich darüber, viel Geld zu sparen.

Wie sind deine Erfahrungen mit dem sogenannten Hausfrauenkredit? Hinterlasse mir jetzt einen Kommentar.


Linda
Linda

Ich war in der Privatinsolvenz, selbstständig und hatte ständig Angst, dass mein Einkommen nicht ausreicht – auch wenn ich eigentlich immer genug verdient habe. So sah mein Leben vorher aus. Heute weiß ich, dass der Umgang mit Geld sich gut anfühlt, wenn du dein Geldbewusstsein änderst: Genieß dein Leben und spür die Fülle!

    4 replies to "Hausfrauenkredit – 4 Gründe, die Finger davon zu lassen"

    • Maren

      Hallo Linda,

      du sprichst ein sehr wichtiges Thema an. Wer sich nicht auskennt, sollte tunlichst die Finger davon lassen – das ist Goldrichtig. Ich persönlich habe mal bei einer Neuanschaffung einen kleinen Kredit aufgenommen, mit sehr kurzer Laufzeit und der Möglichkeit der Sondertilgung, die ich immer genutzt habe. Die Zinsen waren mit 0,99% auch stets hinnehmbar. Dann habe/haben ich/uns dann mal paar Monate eingeschränkt mit den höheren Monatsraten.

      Ein Kredit ist, in meinen Augen, nur sinnvoll um liquide zu bleiben und um nicht das Ersparte zu verpulvern. Mit anderen Worten: Ein Kredit ist nichts um sich etwas anzuschaffen, was man sich von vornherein nicht leisten kann. Warum dann überhaupt einen Kredit aufnehmen? Es ist wohl vielmehr eine Glaubensfrage, die jeder für sich selbst klärt, aber ich habe unsere Rücklagen lieber unangetastet für alle Eventualitäten. Ist es ein Widerspruch?

      Viele liebe Grüße,
      Maren

      • Linda

        Hallo Maren,
        es gibt bestimmt Situationen, in denen ein solcher Kredit helfen kann. Wenn man sich bewusst ist, wie man mit seinem Geld umgehen muss, ist das auch kein Problem (so wie in deinem Fall) 🙂
        Klingt gut!

        Liebe Grüße
        Linda

    • Andreas

      Liebe Linda,

      ich wünsche Dir für dieses frische neue Jahr 2016 ganz viel Erfolg und Glückseligkeit.
      Du bringst es auf den Punkt, „Schulden sind immer Scheiße“. Was wir dabei vergessen, besser, was ich zumeist vergessen habe ist, dass ich der aktivste Part bei der Sache war, nicht die Bank oder die Menschen, die ach so tolle Produkte und „Nützlichkeiten“ produzieren, welche ich unbedingt haben muss. „Einen Scheiß muss ich!“ lautet ein entzückender Buchtitel. Was ich für wichtig halte, ist, sich seiner Sucht (z.B. nach bestimmten Produkten oder Dienstleistungen) bewusst zu werden oder sich seiner Glaubenssätze (=gleich Gedanken, die ich für wahr, real, richtig halte) auf die Spur zu kommen, z.B. durch Aufschreiben. Kann mensch das Ganze dann erst mal annehmen, dass es momentan so ist, fallen die nächsten Schritte (z.B. Input-/Output-Listen machen) schon wesentlich einfacher. Um bei der Glotze zu bleiben: Angeblich sieht ein 80-jähriger in seinem Leben 10 Jahre ununterbrochen fern, die Zeit, in der er/sie küssen tut, beträgt lediglich 10 Wochen – oh manno. Im Übrigen: Küssen führt niemals zu einer Schufa-Eintragung!

      Herzefrei
      Andreas

      • Linda

        Hallo Andreas,
        danke für deinen Kommentar 🙂

        Sehe ich genau, dass man sich seiner Glaubenssätze bewusst werden muss. Die spielen beim Geldverhalten eine SO wichtige Rolle – darum schreibe ich auch immer wieder darüber 😉
        Und ich stimme dir nochmal zu 😀 Ich bin selbst verantwortlich für meine Situation, aber bis zu der Einsicht dauert es oft auch eine Weile. Hat es bei mir auch.

        Liebe Grüße
        Linda

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