Geld

Frauen und Geld – eine schwierige Kombination? 8 Finanz-Experten kommen zu Wort

Frauen und Geld

Frauen und Geld – zumindest in der Öffentlichkeit wird über dieses Thema kaum gesprochen. Oder hast du dich mit deinen Freundinnen schon einmal darüber unterhalten, wie viel ihr verdient? Weißt du, wie viel deine Mutter eingenommen hat? Zumindest in meinem Umfeld war Geld nie Thema – zumindest keins, worüber wir gesprochen haben.

Ich weiß, wohin es bei mir geführt hat, dass ich mich bis vor kurzem nur schlecht um mein Geld gekümmert habe. Vielen Frauen geht es sicherlich ähnlich. Geld als Thema eines Blogs gibt es bei Frauen selten. Mir fallen nur mein eigener sowie die Seiten von Nicole Rupp und Uta Nimsgarn ein. Wenn du noch weitere kannst, freut es mich, wenn du mir in den Kommentaren den Link verrätst.

Um herauszufinden, warum Frauen und Geld immer noch eine scheinbar schwierige Kombination zu sein scheint, habe ich einige Geld-Experten nach ihrer Meinung gefragt.

Warum beschäftigen Frauen sich selten mit Geld und warum sollten sie schleunigst damit beginnen?

Uta Nimsgarn, www.uta-nimsgarn.de

„Meiner Erfahrung nach beschäftigen Frauen sich häufig nicht mit dem Thema Geld, weil sie glauben, dass sie es eh nicht verstehen. In meinen über 25 Jahre in einer Bank habe ich das häufig erlebt. Und ich habe es sehr genossen, wenn Frauen dann merkten, dass sie es doch verstehen können, wenn es ihnen richtig erklärt wird.

Natürlich spielt auch die gesellschaftliche Prägung eine Rolle. Vorallem bei Frauen, die heute über 50 Jahre sind. So lange haben Frauen ja noch nicht die volle Verantwortung auch rechtlich über ihr Geld. Das war früher die Sache des Vaters oder des Ehemanns.

Wenn ich wirklich die Verantwortung für mein Leben übernehmen will, dann steht mit an ganzer vorderster Stelle die Verantwortung über meine Finanzen.

Das beginnt ganz konkret bei meiner Altersvorsorge, bei meiner finanziellen Absicherung und endet bei meinen Gedanken, Ansichten, Überzeugungen und den damit verbundenen Ängsten. Vor allem die Existenzangst, die bei sehr viele Frauen immer unterschwellig mitschwingt.“

Nicole Rupp, www.geldheldinnen.de

„Häufig wurde der lustvolle Umgang mit Geld bei Frauen unbewusst aberzogen. Frauen werden sehr für menschliche Qualitäten gelobt, für ihre Nachsicht, Empathie und Hilfsbereitschaft.

Bei reichen Frauen mit Geld tauchen immer noch Bilder in unseren Köpfen auf, die wenig erstrebenswert sind.

Also reden Frauen sich weiterhin ein, dass ihnen Geld nicht so wichtig ist. Mit dem Ergebnis, dass sie weniger Geld haben, als sie haben könnten.

Dabei hat jede Frau alles, was es für Erfolg mit Geld braucht: Sie sind Beziehungsmanagerinnen (und Geld IST Beziehung), sie handeln wertbewusst und sorgen für andere, zum Wohle für Mensch und Natur.

Und deshalb solltest Du als Frau Dich mehr mit Deinem Geld beschäftigen, um Dich selbst zu entfalten und Deine weibliche Kraft auch mit Geld zu leben. Auch noch ein Grund: Damit ‚Altersarmut ist weiblich‘ ein vergangenes Phänomen wird und Frauen mit zunehmendem Alter mehr finanzielle Fülle erleben.“

Holger Grethe, www.zendepot.de

„Warum sich Frauen nicht so gerne mit Geld beschäftigen wie Männer, hat viele Ursachen. Ein wesentlicher Grund ist sicherlich die Rollenverteilung, die in unserer Gesellschaft lange als normal galt: Der Mann verdient das Geld und die Frau kümmert sich um den Rest (Haushalt, Kinder und Co).

Unterbewusst wurde beziehungsweise wird damit vermittelt, dass Geld Männersache ist. Hinzu kommt, dass Finanzthemen häufig technisch-analytisch daherkommen. Auf einem Kommunikationskanal also, der tendenziell eher Männern als Frauen zugänglich ist.

Das Dilemma ist nur: Frauen müssten sich eigentlich viel mehr mit Geld beschäftigen als Männer!

Denn sie verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als Männer. Und zu den unmittelbaren Einkommenseinbußen durch die Betreuung der Kinder (erst Elternzeit, dann häufig Teilzeitarbeit) kommen mittelbare Einbußen in der Zukunft durch geringere Rentenansprüche, die sich aus den Pausen und dem geringeren Einkommen ergeben.

Ich kann jeder Frau (egal ob als Single oder in einer Partnerschaft) nur raten, sich unbedingt mit der eigenen finanziellen Situation zu beschäftigen und das Thema nicht zu verdrängen.

Vermögen zu bilden, ist nicht so kompliziert wie viele denken und es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man (frau) Einfluss auf sein (ihr) finanzielles Schicksal nehmen kann.“

Salva, www.finanz-traum.de

„Jeder sollte sich selber um sein Geld kümmern. Meine oberste Regel ist: Fange gestern an zu investieren. Je früher desto besser, denn die Zeit ist dein bester Freund bei der Geldanlage.

Viele Menschen investieren ihr Geld nicht, da sie durch die Informationsflut überrollt werden und durch die große Auswahl an Möglichkeiten keine Entscheidung treffen können. Sie machen es wie der Strauß und stecken erst mal den Kopf in den Sand.

Dabei kommt es weniger auf die Entscheidung an sich an, vielmehr kommt es darauf an etwas zu tun und zwar jetzt! Wenn man nur eine mittelmäßige Rendite erzielt, ist das immer noch besser als gar keine!

Ich denke, dass auch Frauen unter dieser Informationsflut und Entscheidungsfaulheit leiden. Als Single macht man es dann wie der Strauß, wenn man verheiratet ist, überlässt man diese Entscheidungen gerne dem Partner.

Da der Mann heutzutage im Durchschnitt immer noch ein etwas höheres Einkommen hat, ist das die perfekte Ausrede, um die Verantwortung abzugeben.

Jeder von uns hat Ausreden, wenn es um die Geldanlage geht! Mein Rat: Weg damit und fange an, dich selber um dein Geld zu kümmern. Es ist eigentlich ganz einfach.“

Daniel Korth, www.finanzrocker.net

„Das Thema Frauen und Geld ist ein ungemein spannendes. Warum? Weil Frauen häufig besser mit ihrem Geld umgehen können als Männer. Zumindest an der Börse.

Das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern es ist statistisch bewiesen. Frauen agieren rationaler, halten ihre Aktien und Fonds auch in stürmischen Zeiten wesentlich länger und haben so am Ende die bessere Rendite. Herausgefunden hat es die DAB Bank in einer Studie 2010.

Und noch etwas ist sehr interessant: Der Anteil der Frauen mit einem eigenem Depot ist nur unwesentlich kleiner als bei den Männern. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir Männer die Frauen die Geldanlage machen lassen sollten, oder? Ja und nein.

Denn nach wie vor halten sich so viele Frauen von diesem Thema fern. Zu kompliziert! Zu verlustreich! Und die Männer können es eh besser!

Ich habe ja eben gezeigt, dass es absolut nicht so ist. Und schließlich wollen auch Frauen eine vernünftige Altersvorsorge für sich selbst – und den Partner oder Ehemann. Häufig sind nämlich die Männer einfach zu faul, sich darum zu kümmern.

Und keiner weiß, wie die Rente in 20 oder 30 Jahren aussieht. Höchste Zeit als Frau mit der eigenen Geldanlage loszulegen und die Scheu vor Geldangelegenheiten abzulegen.

Ihr könnt es doch!“

Jannes Lorenzen, www.aktienboss.de

„In den letzten Jahrzehnten war Geld verdienen und Geld anlegen meistens Männersache. Heute gleicht sich das Einkommen von Mann und Frau glücklicherweise immer weiter an.

Trotzdem überlassen viele Frauen ihre Finanzen lieber anderen: Dem Ehemann, einem Finanzberater oder dem Zufall. Aus Gewohnheit und Angst vor den turbulenten Finanzmärkten.

Dabei zeigen viele Studien, dass Frauen sich in finanziellen Dingen oft besser anstellen als Männer: Sie handeln bedacht, gehen keine unbewussten Risiken ein und überschätzen sich seltener.

Jede Frau sollte sich deshalb umgehend mit ihren eigenen Finanzen beschäftigen – für weniger Zukunftsängste, mehr Sicherheit und mehr finanzielle Freiheit im Leben.“

Jan-Christian Müller, www.smart-reich-werden.de

„Zum einen gibt es sicher Frauen, die sich in einer traditionellen Situation befinden, in welcher der Mann der Besser- oder sogar Alleinverdiener ist.

Frauen setzen in solchen Beziehungen einfach andere Prioritäten und überlassen die Finanzen dem Mann. Wenn der Mann dann sogar noch finanzinteressiert ist und die Familienfinanzen gerne übernimmt, ist es nur logisch, dass sich schnell eine Situation einschleift, in welcher der Mann die Finanzen an sich reißt und die Frau mit dieser Situation zufrieden ist.

Diese Entwicklung ist ein vollkommen subjektiv wahrgenommener Umgang mit Finanzen in der Beziehung.

Der zweite Grund setzt viel früher an und ist unabhängig von Beziehungen.

Es ist nachgewiesen, dass Frauen weniger risikofreudig als Männer sind. Der Begriff Geldanlage wird jedoch besonders in Deutschland häufig mit einem hohen Risiko in Verbindung gebracht (auch wenn das nicht immer der Fall sein muss). Durch dieses Bild oder Klischee zieht es viel weniger Frauen als Männer in die „Zockerbude“–Börse.

Warum sollten Frauen sich mit ihren Finanzen beschäftigen? Ich denke, dass die Finanzen einfach ein notweniger Teil des erwachsenen Lebens sind. Alles in unserem Leben dreht sich ums Geld.

Es geht mir nicht darum, dass alle Frauen plötzlich Börsenprofis werden. Ich finde es wichtig, dass es einfach einen Plan gibt, wie mit den eigenen Finanzen umgegangen werden soll. Das Thema Finanzen lässt sich in meinen Augen weder delegieren noch ignorieren.“

Thomas Beutler, www.finanz-exzellent.de

„In meiner früheren Tätigkeit in der Bank (als Filialleiter und später als Vermögensbetreuer) durfte ich zahlreiche Menschen kennenlernen.

In der Tat kann ich rückblickend feststellen, dass in den meisten Beziehungen der Mann die Anlageentscheidungen trifft beziehungsweise die Frau sich eher zurückhält. Oft kam es auch vor, dass zwar der Mann der die Gesprächsführung übernahm, die Frau aber immer wieder einschritt, um den Mann vor zu riskanten Anlageentscheidungen zu bewahren.

Allerdings konnte ich auch viele Frauen kennen lernen, die ihr Kapital in Eigenregie sehr erfolgreich anlegen. In meiner Funktion als Betreuer für die besonders vermögenden Kunden in der Bank waren meine beiden wichtigsten und vermögendsten Kunden Frauen.

Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass Frauen (und auch Männer) ihr eigenes Kapital und Vermögen selbst verwalten sollten. Was spricht dagegen auch als Paar weiterhin sein eigenes Geld zu behalten. Dafür kann man seine Einzelkonten behalten und zusätzlich ein gemeinsames Konto als Paar anlegen.

Die Verantwortung und Zuständigkeit komplett abzugeben, kann sich als großer Fehler herausstellen.

Es geht nicht nur um eine mögliche Trennung, sondern auch darum, dass die Frauen in der Regel länger leben und irgendwann im Alter alleine dastehen.

Wenn die Geldangelegenheiten bis dahin nur vom Mann erledigt wurden, dann entsteht dadurch eine große Hilflosigkeit. Das Vermögen, welches oftmals mittlerweile stark angewachsen ist, muss nun erstmals eigenverantwortlich betreut werden. Diese Notlage wird oft von falschen „Beratern“ ausgenutzt.“

 

Was ist deine Meinung zu diesem Thema? Warum beschäftigen sich Frauen noch zu selten mit ihren Finanzen?
Hinterlasse jetzt einen Kommentar!

Wenn dir dieser Artikel gefallen hat, freue ich mich, wenn du ihn teilst.Share on Facebook26Share on Google+1Tweet about this on TwitterShare on LinkedIn0

11 Kommentare zu “Frauen und Geld – eine schwierige Kombination? 8 Finanz-Experten kommen zu Wort

  1. Hey Linda,

    wirklich gelungener und schöner Artikel. Vielen Dank nochmal zur Einladung in deine „Expertenrunde“.

    Gruß
    Salva

  2. Liebe Linda,

    da ist Dir ein wirklich toller Artikel gelungen!

    Ich habe ja schon mal geschrieben, dass ich total froh war, als ich Deinen Blog entdeckt habe! Langsam aber sicher tauchen auch weibliche PF-Blogger in der deutschen Szene auf – juhu! 🙂
    Ich habe mit Freundinnen tatsächlich schon oft drüber gesprochen, weil es mir da wie Dir geht: Über das Thema darf, muss und soll man sprechen!
    Die treibende Kraft bin oft ich selbst und meistens ist noch viel Unbehagen dabei. Das ändert sich zum Glück immer mehr.
    Meine Inspiration sind da die ganzen amerikanischen PF-Ladies <3 – und inzwischen auch ihr!!

    Ich mag die weibliche Herangehensweise nicht nur, weil ich selbst eine Frau bin. Männer empfinde ich beim Umgang mit Geld oft sehr pragmatisch und technisch. Je mehr Fachausdrücke desto besser (ganz überspitzt und verallgemeinernd gesagt).
    Frauen brauchen einen anderen Zugang zu Geld.

    Liebe Grüße
    Andrea (Romanautorin 😉 )

    • Hallo Andrea,
      danke für deinen tollen Kommentar 🙂
      Was sind denn PF-Blogger? Das F steht sicherlich für Finanzen, aber das P? Hmm…
      Ansonsten teile ich deine Meinung! Welche amerikanischen Blogs liest du denn noch?

      Lieben Gruß
      Linda

  3. Claudius

    Hey Linda,

    vielen Dank für diese interessante Meinungszusammenstellung. Ich finde es wichtig, dass über „Frauen und Geld“ gesprochen wird.

    Darin liegt nämlich meiner Meinung nach auch das Kernproblem – es wird nicht über Geld gesprochen. Das Thema ist in unserer Gesellschaft immer noch nicht sonderlich beliebt. (Ich habe aber Hoffnung, dass sich das ändern wird.)
    Sowohl Jungen als auch Mädchen wachsen meist ohne grundlegende finanzielle Bildung auf. Man erkennt die Brisanz dieses Themas meist auch nicht von alleine. Warum soll Ich mich um Geld kümmern?
    Mit dem Gehalt ist man zufrieden und wenn man mal auf die falschen Aktien setzt, verteufelt man die Börse als Glücksspiel und lässt in Zukunft die Finger davon.
    Geld ist kein Ziel für junge Menschen. Niemand sagt laut „Ich möchte reich werden“. Zumindest nur die Wenigsten. Nach Geld zu streben gilt als unmoralisch. Deshalb kommt es für die meisten Frauen auch gar nicht erst in Frage. Schließlich wollen sie nicht als unmoralisch gelten.

    Wie es weiter geht, darüber kann Ich nur mutmaßen. Ich gehe einmal von mir selbst aus:
    Irgendwann wird das Thema Finanzen dann doch relevanter. Die Familie will ein Haus bauen oder die Ausbildung der Kinder muss bezahlt werden.
    Doch wie würde denn der Mann dastehen, wenn er diese finanziellen Hürden nicht selbst überwinden würde? Er ist schließlich der Versorger der Familie und so stellt er sich selbst (oder die Gesellschaft ihm) den Anspruch, die Finanzen in die Hand zu nehmen. Für die Frau gibt es also wieder keinen augenscheinlichen Grund sich mit Geld zu beschäftigen.

    Gruß,

    Claudius

  4. ich hab gerade auf einen anderen Blog zu dir hier verlinkt, mein Kommentar wartet noch auf Freischaltung, aber darin sage ich teilweise etwas, was deine Aussagen hier im Kern bestätigt.
    nämlich dass deutsche Frauen fast nur unter Folter dazu zu bringen sind, sich über Finanzen oder Gelddinge zu unterhalten.

    ich geb dir einfach den Link, wenns freigeschaftet wird, wenn du magst, kannst du es dort lesen, ich will nur nicht per copy & paste mich hier bei dir wiederholen.
    http://www.smart-reich-werden.de/vermoegen-aufbauen/8-gruende-warum-selbstgenutztes-wohneigentum-dich-ruiniert/

  5. Pingback: Shoppingqueen - Männer und Frauen im Vergleich - Finanzrocker

  6. Interessanter Ansatz – allerdings mir unverständlich, wie der gros der Blogger darauf kommt, dass Frauen sich nicht um ihr Geld kümmern. Vielmehr hab ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen die Fähigkeit abgesprochen wird sich darum kümmern zu können. Das heißt aber nicht, dass sie es nicht tun, sondern dass sie darüber mit Männern nicht reden.

    Traurig, wenn Frau Mann brauch um von bankmitarbeitern für voll genommen zu werden.

    Den Umgang mit Geld, die Vorsorge und co würde ich nicht am Geschlecht festmachen, sondern am Typ.

    • Hallo 🙂
      danke für deinen Kommentar.
      Schön, dass du andere Erfahrungen machst
      Ich merke durch Kontakte mit anderen Frauen durch diesen Blog aber auch, dass es eben nicht eine Selbstverständlichkeit ist, dass Frauen sich um ihr Geld kümmern.
      Viele machen es nicht 🙂

      Liebe Grüße
      Linda

  7. Pingback: Opfergaben auf Bali - so lernst du von den Balinesen - MyMoneyMind

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.