Gewerbeanmeldung

In der vergangenen Woche haben mich Chris und Andrea von Weggedacht.de angeschrieben, weil sie sie Probleme mit der Anmeldung ihres Gewerbes hatten. Die beiden wussten nicht, wie es weiter geht und wendeten sich an mich. Da diese Frage in Foren und Facebook-Gruppen immer wieder hochkommt und nicht nur Blogger beschäftigt, liegt es nahe, einen Beitrag über die Gewerbeanmeldung zu schreiben. Ab wann das Gewerbe anzumelden ist und ob es überhaupt notwendig ist, steht dabei im Vordergrund.

Gewerblich oder freiberuflich?

Ob du überhaupt ein Gewerbe anmelden musst, hängt davon ab, ob du freiberuflich oder gewerblich arbeitest. Als Freiberufler ist es nicht notwendig. Dazu zählst du, wenn du einen sogenannten Katalogberuf oder einen katalogähnlichen Beruf ausübst.

Hast du zum Beispiel einen Blog, über den du bekannter werden möchtest, brauchst du dafür kein Gewerbe anzumelden. Selbst wenn sich Unternehmen bei dir melden, weil sie deinen Schreibstil toll finden und dich engagieren, auf ihrem Blog zu schreiben, ist es nicht notwendig. Du verdienst dann dein Geld als Journalist, Texter oder wie auch immer man das Kind immer nennen mag. Damit übst du einen Katalogberuf aus (den du aber trotzdem beim Finanzamt anmelden musst) und giltst als Freiberufler.

Bietest du über deine Website Unterricht oder Coachings an, was für viele Menschen interessant ist, fällt dies ebenfalls unter den Begriff der Freiberuflichkeit.

Zeit gegen Geld – kein gutes Modell

Allerdings ist dieser Weg in Bezug auf dein Einkommen eher weniger interessant. Du bist hierbei eingeschränkt auf deine Zeit und Motivation. Das Modell „Zeit gegen Geld“ herrscht zwar in der Arbeitswelt vor, ist aber nicht das, was ich mir für die Zukunft vorstelle. Ich möchte arbeiten, aber mir meine Zeit frei einteilen können. Urlaub nehmen, wann ich es möchte – und trotzdem weiter verdienen.

Was ist schlecht an „Zeit gegen Geld“? Du bist limitiert. Sehe ich mir an, was einige Coaches pro Stunde nehmen, ist 130 € sicherlich ein guter Durchschnittswert. Nicht schlecht, oder? Mehr als sechs Stunden pro Tag wirst du nicht coachen können, wenn du dich intensiv mit deinen Klienten auseinandersetzt. Machst du das fünf Tage pro Woche, hast du knapp 16.000 € pro Monat.

Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. 16.000 Euro monatlich ist ein super Verdienst!! Das setzt aber voraus, dass die Kunden dir die Hütte einrennen, du niemals erschöpft oder gar krank bist, nie in den Urlaub fährst oder dir einen freien Tag gönnst. Also utopisch.

Kriterien für die Gewerbeanmeldung

Auf passives Einkommen zu setzen, ist daher deutlich geschickter. Denn das Geld kommt auch dann auf dein Konto, wenn du schläfst oder dich am Strand von Curacao rumtreibst. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, ein Gewerbe anzumelden. Du brauchst es, wenn du

  • ein Produkt herstellst,
  • es verkaufst,
  • auf deiner Homepage anbietest
  • und/oder dein Business vor allem durch den Einsatz von Kapital wächst.

Wenn du also vorhast, eigene Produkte herzustellen, Coachingprodukte anzubieten oder Affiliate-Marketing zu betreiben, ist der Zeitpunkt für ein Gewerbe gekommen. Vor allem eigene Produkte bieten sich an, weil der Gewinn dabei am höchsten ist.

Gespräch mit dem Sachbearbeiter suchen

Die Ämter zeigen sich aber bei der Frage „Ab wann Gewerbe anmelden“ häufig kulant. Oft kannst du dein Business drei Monate nach dem Beginn rückwirkend anmelden. Du kannst also starten, sehen, ob es sich lohnt und dann zum Gewerbeamt gehen. Bist du dir unsicher, frag bei deinem Amt vor Ort nach, ab wann es notwendig ist. Die Sachbearbeiter sind sich deutschlandweit nicht immer einig.

Das habe ich ebenfalls erfahren. Immer wieder habe ich gelesen, dass die Tätigkeit „Internetdienstleistungen“ vom Amt anerkannt ist. Auch Chris und Andrea durften dies bei ihrem Gewebe angeben. In meiner Stadt wäre diese Bezeichnung nicht genau genug. Coaching, Unterricht, Publishing, Affiliate-Marketing, Webdesign und Sponsored Posts sind unter anderem Punkte, die bei mir erlaubt wären.

Nimm so viele Punkte auf wie möglich. Wenn du später einen neuen Zweig hinzunehmen willst, musst du wieder zum Amt und die volle Gebühr errichten. Bei mir wären das immerhin 30 Euro.

Ab wann Gewerbe anmelden – Fazit

  1. Du findest deine Arbeit nicht in den Katalogberufen wieder.
  2. Du willst passives Einkommen haben.
  3. Du hast ein eigenes Produkt entwickelt oder nimmst an einem Affiliate-Programm teil.
  4. Du hast das Produkt auf den Markt gebracht und siehst, dass die Tendenz positiv ist.

 

Wie sind deine Erfahrungen bei der Gewerbeanmeldung? Oder hast du diesen Schritt irgendwann noch vor dir?

Hinterlasse jetzt einen Kommentar!


Linda
Linda

Ich war in der Privatinsolvenz, selbstständig und hatte ständig Angst, dass mein Einkommen nicht ausreicht – auch wenn ich eigentlich immer genug verdient habe. So sah mein Leben vorher aus. Heute weiß ich, dass der Umgang mit Geld sich gut anfühlt, wenn du dein Geldbewusstsein änderst: Genieß dein Leben und spür die Fülle!

    21 replies to "Ab wann Gewerbe anmelden – darauf musst du achten"

    • Anna

      Wirklich toller Artikel zum Thema Gewerbeanmeldung.
      Ich selber beschäftige mich momentan auch damit und bin mir noch nicht ganz so sicher ob ich mich als Freiberufler melde oder lieber ein Gewerbe anmelde.

      Liebe Grüße
      Anna

      • Linda

        Hallo Anna,
        freut mich, dass er dir gefällt 🙂

        Ob Gewerbe oder freiberuflich hängt ja davon ab, was du machen willst. Die freie Wahl hast du eigentlich nicht 😉

        Lieben Gruß
        Linda

    • Ede-Peter

      Hallo Linda,
      sehr interessanter Artikel, obwohl es für mich nicht in Frage kommt. Mich haben nur diese Fragen / Antworten immer schon interessiert und es ist ein wenig klarer geworden. Was ich immer noch nicht verstehe ist folgendes:
      Wenn ich einen „Stinknormalen“ Blog betreibe (so wie meinen z. B.) und ich mich dann irgendwann für Werbung entschließe, hab ich ja (hoffentlich) Einnahmen. Muss ich das auch schon anmelden als Gewerbe oder Freiberufler beim Finanzamt (also Werbeeinnahmen versteuern) ?
      Ein wenig verunsichert hast du mich mit deinem Kommentar von 14:42 Uhr:
      „Die freie Wahl hast du eigentlich nicht“ – das bedeutet nun wieder was ?
      LG Ede

      • Linda

        Hallo Ede 🙂
        Wenn du Werbung machen willst, musst du ein Gewerbe anmelden. Su bietet dann ja ein Produkt an, wenn du es so siehst 😉
        Als Freiberufler giltst du nur, wenn du dich bei den Katalogberufen wiederfindest.

        Viele Grüße
        Linda

        • Robert Weller

          Hallo Linda, hi Ede-Peters,
          bei der Frage würde ich einen Experten um Rat bitten, denn ganz so eindeutig ist es nicht. Die Werbung kannst du auf deinem Blog nämlich nur anbieten, weil du hochwertigen Content (Texte) anbietest. Die Grundlage deines „Geschäfts“ (ob Affiliate oder Direktmarketing etc.) ist also Textarbeit. Und das ist ein Freiberuf. Für Google-AdSense brauchst du soweit ich weiß kein Gewerbe, aber das kommt natürlich auf die Inhalte in deinem Blog an 😉

          Und anders gesehen sind die 20€ für die Anmeldugn nicht unbedingt die Welt, überleg dir dann aber gut was du als Gewerbetätigkeit angibst, dann eine Änderungen kostet nochmal Geld.

          Viele Grüße,
          Robert

          • Linda

            Hallo Robert,
            danke für deinen Kommentar 🙂

            Allerdings würde Ede nicht für seinen Text bezahlt werden wie ein Freiberufler, sondern verdient durch die Werbung. Was dann wiederum kein Freiberuf wäre.
            Aber natürlich hast du recht: Im Zweifelsfall hat das Finanzamt das letzte Wort, also nachfragen 😉

            Selbstständig-im-Netz hat zu Google AdSense und der Gewerbeanmeldung einen Artikel geschrieben: http://bit.ly/1evS8tz

            Viele Grüße
            Linda

            • Steffi Mü

              Hallo Ihr,

              die Streitigkeiten beim Finanzamt werden aber erst dann interessant, wenn der Gewinn!!! (nicht der Umsatz) über 24.500,00€ liegt und man somit in die Gewerbesteuerpflicht kommt.

              Ich bin vom Beruf Steuerfachangestellte und habe mir nebenbei ein zweites Standbein mit einem Buchhaltungsservice aufgebaut, von daher kann ich hier aufgrund meiner Erfahrungen mit der Finanzverwaltung sehr gut behaupten: „Bei diesem Thema scheiden sich echt die Geister!“ Es ist teilweise wirklich vom Sachbearbeiter abhängig, aber hey….es wird wirklich erst interessant, wenn der Gewinn entsprechend hoch ist.

              Von der Beurteilung ob Gewerbe oder Freiberufler gehe ich es genauso an, wie Linda es beschrieben hat:

              Du findest Dich im Katalog der Freiberufler nicht wieder? = Gewerbe anmelden. Der Fragebogen zur steuerlichen Erfassung wird Dir von Amtswegen zu geschickt.

              Du findest Dich im Katalog der Freiberufler wieder? = kein Gewerbe anmelden. Aber Du musst Dich steuerlich erfassen lassen, da Du eine Steuernummer benötigst. Den Fragebogen zu steuerlichen Erfassung kannst Du Dir prima im Internet runterladen.

              Generierte Einnahmen durch Werbung sind für mich Einnahmen aus dem Gewerbebetrieb = Gewerbeanmeldung also erforderlich.

              Beste Grüße,

              Steffi Mü

          • Ede-Peter

            Vielen Dank für den Tipp / Ratschlag Robert

            • Linda

              Hallo Ede,
              sag doch mal bitte Bescheid, was dein Sachbearbeiter gesagt hat und wie du vorgehen musst 🙂

              Viele Grüße
              Linda

            • Ede-Peter

              oohh Linda, soweit bin ich noch lange nicht.
              Bin da auch noch sehr stark am überlegen ob ich dem Blog es antun möchte, also Werbung, auch wenn ein kleines Taschengeld sicherlich als Rentner gut tun würde. :))
              LG Ede

            • Linda

              Tja, das ist die Frage, wie viel Werbung man seinem Blog zumuten möchte…
              Wenn es zu viel wird, bin ich von einem Blog schnell wieder verschwunden – nervt mich 🙂

              Hast du die Antwort von Steffi Mü gelesen? Sie ist Steuerfachangestellte.

              Viele Grüße
              Linda

            • Ede-Peter

              Ja, hatte ich Linda. Waren sehr fundierte und gute Infos.
              Ich muss dir da recht geben, wenn ich auf eine Seite komme und dort ist zuviel Werbung und ständig nervt irgend so ein Banner, bin ich auch sofort wieder weg. So etwas will ich auf keinen Fall, das möchte ich niemanden zumuten.
              LG
              Ede

    • Daniela

      Hallo Linda1

      Du solltest vielleicht noch darauf hinweisen, dass man dann bei den Formularen des Finanzamtes ankreuzen sollte, dass es sich um ein Kleingewerbe handelt. Das reicht für den Anfang völlig aus und kann jederzeit geändert werden. Ich habe ein Gewerbe und eine freiberufliche Tätigkeit angemeldet, aber letzteres hätte ich mir auch sparen können, denn in meinem Fall (Sprachunterricht) sollte ich entsprechende Arbeitsräume und ein passendes Studium nachweisen, um dann eine Bescheinigung zu bekommen, dass ich keine Umsatzsteuer bezahlen muss. War leider beides nicht möglich und ich hatte auch keine Lust, mich mit so einer langweiligen Bürotante herumzustreiten.

      LG,
      Daniela

      • Linda

        Hallo Daniela,
        ja das stimmt natürlich 🙂
        Man kann zwischen Haupt- und Nebengewerbe unterscheiden, so hat es der Sachbearbeiter hier genannt. Wäre ja schön, wenn sich die mal einig wären 😉

        Stimmt, so Streitigkeiten mit Ämtern sind eh meistens nicht von Erfolg gekrönt 😀
        Da hätte ich wahrscheinlich auch keine Lust drauf gehabt.

        Lieben Gruß
        Linda

      • Steffi Mü

        Hallo Daniela, hallo Linda,

        hier wird ja nun noch die Umsatzsteuer mit ins Spiel gebracht. Und dieses Kreuz meinte Daniela, welches man setzen kann, um nach der Kleinunternehmerregelung hinsichtlich der Umsatzsteuer besteuert zu werden! Wenn man sich gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidet (bzw. vergisst das Kreuz zu setzen), ist man zunächst für fünf Jahre an dieser Entscheidung gebunden und kann es mal nicht so eben umstellen lassen. Die Entscheidung gegen die Kleinunternehmerreglung macht zunächst in jedem Fall keinen Sinn, da man mit der Entscheidung zur Kleinunternehmerregelung die monatliche Abgabe der Umsatzsteuer-Voranmeldungen umgeht.

        Sollte man die Grenzen der Kleinunternehmerregelung übersteigen (17.500,00 € Umsatz pro Jahr), wird das Finanzamt nach Einreichung der Umsatzsteuererklärung entsprechende Maßnahmen ergreifen und die entsprechenden Voranmeldungen zur Umsatzsteuer entsprechend für den folgenden Veranlagungszeitraum verlangen. Sollte man dann wieder diese Umsatzgrenze im Veranlagungsjahr unterschreiten, dann kann man auf Antrag beim Finanzamt wieder in die Kleinunternehmerregelung hinein rutschen.

        So ich hoffe Ihr habt mich jetzt verstanden 🙂 Also, um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Das Kreuz zur Kleinunternehmerregelung bei der Umsatzsteuer auf jeden Fall nicht vergessen, um der Bürokratie zunächst aus dem Wege zu gehen.

        Beste Grüße,

        Steffi Mü

        • Linda

          Danke fürs Klarstellen, Steffi Mü 🙂

    • Jacky Wesling

      Liebe Linda!

      Danke für diesen tollen Beitrag. Er ist einfach und super geschrieben und hat mir sehr geholfen, damit ich nun weiß, was richtig ist.

      Liebe Grüße
      Jacky

      • Linda

        Hallo Jacky,
        freut mich, dass ich dir helfen konnte 🙂
        Wenn du noch ne Frage hast, die nicht beantwortet ist, leite ich sie gerne zu Steffi weiter. Die weiß als ehemalige Steuerfrau wesentlich mehr oder hat zumindest bessere Möglichkeiten, nachzusehen.

        Lieben Gruß
        Linda

    • Michael Stunz

      Hallo Linda!

      Schöner Beitrag!
      Ich habe erst letzte Woche mit meiner Seite angefangen. Habe aber vor diese Woche noch mein Gewerbe anzumelden. Sicher ist sicher!

      Irgendwie komisch das es überall anders gehandhabt wird.

      Gruß
      Micha

      • Linda

        Hallo Michael,
        ja, das finde ich auch erstaunlich!
        Eigentlich sollte man meinen, dass es fürs Gewerbe eine einheitliche Regelung gibt 🙂

        Ich wünsch dir viel Erfolg mit deinem Blog! Immer schön durchhalten 🙂
        Viele Grüße
        Linda

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